Marktausblick: Risiken und Nebenwirkungen

Foto: WhataWin/iStock
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Die Bundesbank warnt offiziell vor einem möglichen Crash. „Die hohen Bewertungsniveaus auf den Aktien- und Anleihemärkten bergen das Risiko größerer, plötzlicher, Marktpreiskorrekturen“, heißt es. Muss uns das beunruhigen?

In der jährlichen Analyse zur Stabilität der Finanzmärkte verwies Bundesbankvorstand Michael Theurer diese Woche auf die zunehmenden geopolitischen Spannungen, Handelskonflikte und Staatsverschuldungen. Dazu kommen die Aktienbewertungen an den US-Märkten. Einige Kennzahlen gleichen denen nahe dem Höhepunkt der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende. Ändert sich die Stimmung hinsichtlich der Aussichten von KI oder wegen Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank, könnten die Kurse einbrechen. Und das keineswegs nur in den USA.

Risiken für das Finanzsystem

Jetzt haben wir offiziell, was uns seit etlichen Wochen umtreibt. Eine ähnliche Warnung hatte unlängst auch die britische Notenbank veröffentlicht. Mehr als ein Nebeneffekt dabei: Bundesbanker Theurer sieht zusätzlich Risiken für die Banken. Sie sind traditionell stark in Staatsanleihen investiert. Deren Preise könnten angesichts der hohen Schuldenstände in Europa schlagartig in die Knie gehen – eine Gefahr für das ganze Finanzsystem.

Der bayerische Komiker Karl Valentin brachte das Ganze schon vor Jahrzehnten auf den Punkt: „Früher war die Zukunft auch besser“, lautet eines seiner Bonmots. Zweifellos gilt es heute ganz besonders.

Die lange Sicht zählt

Bestandsaufnahme: Krisen gehören zum Finanzmarkt. Eine Korrektur von zehn oder 15 Prozent speziell im Tech-Bereich wäre naheliegend, sicher ist sie nicht. Und auch nicht ihr Zeitpunkt. Die Historie aber zeigt, dass Korrekturen relativ schnell wieder aufgeholt werden. Die Dotcom-Krise war in dieser Hinsicht unerquicklich, weil sie lange dauerte – von März 2000 bis Mitte 2002. Erst dann stiegen die Kurse wieder. Auf lange Sicht aber war auch das nur eine Episode: Der DAX war damals auf 8136 Punkten gestiegen, als die Blase platzte. Seither hat er sich verdreifacht.

Was du tun kannst

Profis sichern ihr Depot in solchen Situationen gern mit Puts ab, setzen also teils auf fallende Kurse, um etwaige Verluste abzufedern. Das Verhältnis zwischen Puts und Calls steht derzeit bei 2,6. Ein Wert über 1 deutet auf eine pessimistische Marktstimmung hin. Mithin wittern nicht nur die Bundesbanker Gefahren. Hohe Werte in diesem Verhältnis haben sich in der Vergangenheit aber auch oft als Kontraindikator erwiesen. Der Markt sprintete dann in die entgegengesetzte Richtung. Und die Put-Käufer schauten letztlich in die Röhre.

Das Gleiche kann natürlich auch passieren, wenn man jetzt vorsichtig ist und sein Depot leer räumt. Bleibt die Korrektur aus, rennst du dann den Kursen hinterher und steigst womöglich zum völlig falschen Zeitpunkt wieder ein. Oder gar nicht, weil du immer das Gefühl hast, die Aktien seien schon zu weit vorausgeeilt.

Spiel auf Zeit

Also was bleibt? Börse ist ein Spiel auf Zeit, je länger es dauert, desto besser für dich. Das heißt, negative Phasen musst du aussitzen können. Das funktioniert natürlich nur mit Geld, dass nicht unmittelbar gebraucht wird.  Bleib cool und setz dich auf deine Hände, damit du nicht unüberlegt aus dem Bauch heraus handelst. Das heißt nicht, dass man nicht Aktien verkaufen sollte, wenn sich deren Chancen grundsätzlich eintrüben. Oder dass man nicht auch mal Gewinne realisiert. Fallen die Kurse auf breiter Front, ist aber eines klar: Daraus ergeben sich immer Chancen – in qualitativ hochwertige Aktien günstig einzusteigen und für seine Sparplanrate mehr Anteile zu bekommen.

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