NEW YORK (dpa-AFX) -Angesichts des vom US-Präsidenten ausgelösten Handelskriegs werden die US-Börsen am Donnerstag wohl auf Talfahrt gehen. “Die geplanten Maßnahmen übertreffen die schlimmsten Befürchtungen”, kommentierte Chef-Volkswirt Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank die Beschlüsse von Donald Trump. Da sowohl die Europäische Union als auch China bereits Gegenmaßnahmen angekündigt hätten, sei der globale Handelskrieg nun “in vollem Gange”.
Anleger weltweit befürchten, dass die Weltwirtschaft schweren Schaden nehmen könnte – und auch die USA selbst, da Inflationsraten steigen dürften, weil viele Konsumgüter durch die Zölle teurer werden. “Damit kommt es zu einem schwierigen Spagat für die US-Notenbank”, erklärt Gitzel. Auf der einen Seite dürften die Inflationsraten durch die Zölle steigen, auf der anderen Seite drohe die US-Wirtschaft selbst unter der Zolllast merklich abzukühlen. Zudem herrscht große Verunsicherung, da Trumps Politik die Märkte volatiler macht, also häufige und oft auch heftige Schwankungen am Aktien-, aber auch am Anleihe-, Rohstoff- und Devisenmarkt auslöst.
Die aktuellen Wirtschaftsdaten dürften vor diesem Hintergrund wenig Beachtung finden, zumal der monatliche Arbeitsmarktbericht als einer der konjunkturellen Höhepunkte der Woche erst am Freitag veröffentlicht wird.
Rund eine Stunde vor Handelsbeginn taxiert der Broker IG den Leitindex Dow Jones Industrial US2605661048
2,8 Prozent tiefer auf 41.026 Punkte. Der überwiegend mit Technologiewerten bestückte Nasdaq 100 US6311011026
dürfte 3,9 Prozent tiefer mit 18.815 Punkten starten.
Der marktbreite und viel beachtete S&P 500 US78378X1072
dürfte wohl erneut seine Jahrestiefstände 2025 bei um die 5.500 Punkte testen. Ein Durchbrechen dieses Niveaus, so warnen technische Analysten, würde wohl den Boden für weitere Kursverluste eben.
Den UBS-Analysten des Global-Strategy-Teams um Bhanu Baweja zufolge könnte das reale Bruttoinlandsprodukt der USA in diesem Jahr um 1,5 bis 2 Prozentpunkte sinken, während die Inflation auf fast 5 Prozent steigen könnte, falls die Zölle nicht bald zurückgenommen werden.
Unter den “Glorreichen Sieben”, den sieben größten und bedeutendsten Tech-Unternehmen, gab es vorbörslich nur Verlierer. Am stärksten ging es für Apple US0378331005
abwärts mit minus 7,5 Prozent. Die Aktien litten vor allem darunter, dass China ein wichtiger Produktionsstandort des iPhone- und Mac-Herstellers ist.
Alphabet US02079K3059
verloren 3,0 Prozent, Amazon US0231351067
sackten um 6,3 Prozent ab, Meta US30303M1027
um 4,6 Prozent, Microsoft US5949181045
um knapp 3 Prozent und Tesla US88160R1014
um knapp 6 Prozent. Für die Papiere des Entwicklers von Grafikprozessoren und Chipsätzen für PC, Nvidia US67066G1040
, ging es vor dem Börsenstart um 5,5 Prozent abwärts.
Allgemein verloren Chiphersteller wie auch Intel US4581401001
, Qualcomm US7475251036
oder Broadcom US11135F1012
vorbörslich deutlich. Aber auch alle anderen Branchen mit globalen Lieferketten gaben kräftig nach: so etwa Caterpillar US1491231015
, GE Aerospace US3696043013
und Boeing US0970231058
.
Ebenfalls betroffen sind Konsumgüterhersteller, Bekleidungshersteller wie Nike US6541061031
mit minus 9,7 Prozent, Lululemon US5500211090
mit minus 12,5 Prozent oder Foot Locker US3448491049
mit minus 6,2 Prozent. Die Reise- und Flugbranche und der Bausektor sind ebenfalls stark betroffen.
RH US74967X1037
sackten vor dem Handelsstart sogar um knapp 28 Prozent ab, denn der Premium-Möbelhändler enttäuschte zur Vorlage seiner Quartalszahlen nicht nur mit seinen unter den Marktschätzungen liegenden Jahreszielen. Auch die Risiken durch Zölle sind einzukalkulieren.