Barclays-Deutschlandchefin: Globale Investoren finden Deutschland hochattraktiv

Blick auf die Frankfurter Skyline.
Blick auf die Frankfurter Skyline. Foto: Helmut Fricke/dpa

FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Standort Deutschland steht stark in der Kritik, laut der Top-Bankerin Ingrid Hengster fällt der Blick aus dem Ausland aber gar nicht so schlecht aus. “Internationale Investoren sehen Deutschland als hochattraktiven Markt”, berichtete die Deutschlandchefin der britischen Bank Barclays im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW).

In Gesprächen mit Investoren etwa aus den USA höre sie, dass diese viel unausgeschöpftes Wachstumspotenzial in Deutschland sähen. Sie erwarteten aber auch, dass man die bekannten Schwächen angehe, darunter viel Bürokratie, teure Energie und ein Rückstand bei der Digitalisierung. “Wir dürfen nicht zu lange warten, die Reformen anzupacken”, sagte die Investmentbankerin, die früher im Vorstand der Förderbank KfW saß.

Konjunkturindikatoren zeigten ein positives Momentum für die deutsche Wirtschaft, so Hengster. So erwarteten führende Ökonomen für das kommende Jahr übereinstimmend ein Wachstum von mehr als einem Prozent – nicht zuletzt wegen der Milliarden-Sondervermögen.

“Ohne Vertrauen kein Wachstum”

“Wer Wachstum will, muss aber auch Vertrauen stärken”, appellierte Hengster. “Sonst nützen auch die Milliarden nichts.” Die Politik müsse den Menschen eine Vision geben, wie Deutschland in einigen Jahren aussehen solle. “Wenn ich keine Vision zeige, wie sollen die Leute dann den Veränderungen zustimmen, die kommen müssen?”

Für die Bundesregierung findet Hengster lobende Worte. Diese habe bereits manche Reformen auf den Weg gebracht wie die Einführung der Aktiv- und der Frühstartrente. Auch der geplante Deutschland-Fonds, der privates Kapital mobilisieren soll, sei ein guter Ansatz.

Viele Wirtschaftsverbände sehen den Standort Deutschland auf dem absteigenden Ast und verweisen auf Ranglisten, nach denen die Bundesrepublik an Wettbewerbsfähigkeit verliert. Auch ihr machten die vielen schlechten Schlagzeilen über die deutsche Wirtschaft manchmal zu schaffen, sagte Hengster. Aber: “Es gibt keine Alternative zu Optimismus.”

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