Katrin Krömer startete ihre Karriere bei der Unternehmensberatung McKinsey. Heute ist sie Vorständin bei der Bundesagentur für Arbeit und verantwortet das Personalmanagement. Wie gelingt der Wechsel vom privaten in den öffentlichen Sektor? Wie wichtig ist eine Promotion für die Karriere? Wir haben die neue Generation-CEO-Netzwerkerin befragt.
Courage hat bereits hier über das Netzwerk Generation CEO e.V. und den Auswahlprozess berichtet. In den kommenden Wochen stellen wir Euch alle 13 Top-Managerinnen in einer Serie vor – jeweils am Freitag!
Courage: Consulting als Sprungbrett – was waren Ihre Gründe für den Ausstieg aus der Unternehmensberatung? Oder ist das ein natürlicher Karriereschritt?
Katrin Krömer: Das ist ein natürlicher Karriereschritt. In den Jahren im Consulting habe ich sehr viel gelernt, etwa Fragestellungen zu strukturieren und Entscheidungsoptionen abzuleiten, auf C-Level zu kommunizieren, große Veränderungsprogramme aufzusetzen. Auf die Dauer wollte ich aber gern Verantwortung übernehmen und die Dinge auch selbst gestalten können.
Wie wichtig ist eine Promotion für die Karriere?
Zu Beginn meines Berufslebens war das durchaus wichtig, gerade als Frau. Inzwischen ist es für Management-Positionen aus meiner Sicht nicht mehr relevant. Es geht vielmehr darum, ob man sich einmal vertieft mit einem Thema wissenschaftlich auseinandersetzen möchte. Mir hat die Promotion inhaltlich aber auch persönlich – Stichwort Komplexität beherrschen oder Durchhaltevermögen – unabhängig von der konkreten beruflichen Karriere viel gebracht.
Sie sind „Querwechslerin“, sind nach einer ersten Karriere im privaten Sektor in den öffentlichen Sektor gewechselt. War es eine bewusste Entscheidung, Ihre Expertise als Führungskraft in den Dienst des Staates zu stellen?
Meinen Berufsweg konnte ich durchgehend an der Schnittstelle und im Wechsel zwischen privatem und öffentlichem Sektor gestalten. Das fing schon im Studium mit BWL, Public Administration und der Promotion in Politikwissenschaften an. Bei McKinsey habe ich beide Sektoren unterstützt, beispielsweise auch die erste große Reform der Bundesagentur für Arbeit. Die weiteren Stationen bei der Bundesagentur, der Deutschen Bahn und nun wieder im Vorstand der Bundesagentur setzten diesen Weg fort.
Staat oder Wirtschaft: Wer ist der bessere Arbeitgeber?
Beide Sektoren haben ihre besonderen Vorteile aber auch Rahmenbedingungen, die man am Ende in Kauf nehmen muss. Ich kann deshalb nur dazu raten, sich während des Berufslebens beide Seiten mal anzuschauen.
Werden Querwechslerinnen aus der Privatwirtschaft gerne gesehen oder stößt das eher auf Skepsis bei den „Alteingesessenen“?
Es wird sehr gern gesehen, wenn Menschen Interesse haben, sich für die Aufgaben des Staates und des Gemeinwohls einzusetzen. Auch die Erfahrungen und Kompetenzen, die sie in der Privatwirtschaft aufgebaut haben, sind im öffentlichen Sektor wichtig und durchaus gefragt. Das können fachliche Themen wie etwa IT, HR oder andere Support-Funktionen sein. Oder auch übergreifende Kompetenzen wie prozessorientiertes Arbeiten, Projektmanagement oder ähnliches. Wichtig ist aber, dass die neuen Kolleg:innen viel Lernbereitschaft mitbringen, die Aufgaben und besonderen Rahmenbedingungen der jeweiligen öffentlichen Institution gut kennenzulernen. Nur dann können sie sich wirkungsvoll ins Team einbringen. Besserwisser sind nirgendwo gern gesehen.
Ist eine moderne Personalentwicklung im öffentlichen Bereich überhaupt möglich?
Das ist es in der Tat. Bei der Bundesagentur für Arbeit mit unserem eigenen Tarifvertrag und AT-Konzept habe wir bereits seit bald 20 Jahren eine kompetenzbasierte und damit sehr durchlässige Personalentwicklung. Wir haben das Kompetenzmodell auch gerade nochmal auf die Herausforderungen der Zukunft ausgerichtet und bieten ein sehr breites Angebot an Lern- und Entwicklungsformaten, das mit der Wirtschaft locker mithalten kann. Mit unserer „Dienstvereinbarung Lernen“ haben wir dafür dieses Jahr einen weiteren innovativen Rahmen gesetzt. Und nicht nur das: Wir haben uns mit dem gesamten Personalmanagement auf den Weg zu einem modernen Mehrsäulenmodell mit professioneller Standardsoftware gemacht. Es geht also durchaus viel im öffentlichen Sektor.
Zur Person: Dr. Katrin Krömer ist seit Oktober 2022 Vorständin Ressourcen der Bundesagentur für Arbeit. Sie verantwortet die Bereiche Personalmanagement, Organisationsentwicklung, Controlling, Infrastruktur und Einkauf. Zuvor leitete sie vier Jahre lang die Personal- und Führungskräfteentwicklung bei der Deutschen Bahn AG, nachdem sie zuvor den Vorsitz der Geschäftsführung der DB JobService GmbH inne hatte. Von 2009 bis 2015 war Katrin Krömer Geschäftsführerin für Personal, Finanzen und Controlling in der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit. Nach ihrem Master in Public Administration an der Harvard Kennedy School arbeitete sie zunächst als Unternehmensberaterin bei McKinsey & Company. Ihre Promotion schloss sie erfolgreich an der Universität Trier ab. Sie ist Mitglied im Präsidium des Bundesverbandes der Personalmanager:innen.