Börsenwoche: Im Zeichen der Wahl, Gold setzt Rekordlauf fort, Problematisches Urteil für KI Firmen 

©peterschreiber.media /Adobe Stock
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Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis die 3.000-Dollar-Marke beim Goldpreis fällt. Sollte US-Präsident Donald Trump den „Trade War“ über angedrohte oder tatsächlich eingeführte Zölle weiter verschärfen, dann – so die Analysten von Goldman Sachs – könnte das Edelmetall bis auf 3.500 Dollar steigen.

Auch sonst stimmt das Umfeld für Goldanleger und -spekulanten: Die Zentralbanken haben 2024 das dritte Jahr in Folge über 1.000 Tonnen des gelben Metalls gekauft und der Trend sollte sich in diesem Jahr fortsetzen. Zudem helfen sinkende Zinsen dem Goldpreis; last but not least tragen die mannigfaltigen geopolitischen Krisen dazu bei, dass Anleger weiter auf Nummer sicher gehen und ihre Goldbestände aufstocken.Eine Alternative sind Goldminen-Aktien. Die Minenbetreiber  haben erst im vergangenen Jahr wirklich angefangen, vom Boom des Goldpreises zu profitieren. Denn sie verkaufen ihr Gold typischerweise selbst auf Termin. Jede Unze, die heute aus dem Boden geholt wird, wurde schon vor sechs bis zwölf Monaten verkauft. Zu den (Future-)Preisen von damals. Und heute werden die Unzen verkauft, die in sechs bis zwölf Monaten produziert werden. Die zukünftigen Erträge der Minen sind zum Teil noch gar nicht richtig in den heutigen Aktienkursen eingepreist. 

Korrektur der Wirtschaftspolitik nach Bundestagswahl?

Am Sonntag kommt nun aber erst einmal die Wahl. Olaf Scholz übergibt ein Land, in dem immer mehr Menschen sich den politischen Rändern zuwenden – vor allem auch, weil die Wirtschaft schwächelt und mittlerweile fast allen europäischen Ländern hinterherhinkt. Für die nächste Bundesregierung bietet diese Entwicklung eine historische Chance. Das Fenster für eine neue Migrationspolitik ist bereits offen. „Andere Fenster, hinter denen die Luft ebenfalls stickig geworden ist, können und sollten auch aufgerissen werden“, kommentiert die „Neue Zürcher Zeitung“. Insbesondere gilt das für die Wirtschaftspolitik.Halbe Reformen werden nicht ausreichen. Wenn die Bundesrepublik zurück an die Weltspitze will, muss die neue Regierung radikale Schritte wagen. Um mehr Investitionen in Infrastruktur, in Bildung und Forschung, in Digitalisierung und auch in Verteidigung zu leisten, ist ein Aufweichen der Schuldenbremse – wie von Grünen und Sozialdemokraten gebetsmühlenartig gefordert – allerdings gar nicht erforderlich. Bürgergeld, Subventionen, Entwicklungshilfe – es gibt genügend Einsparpotenzial.Es braucht eine Renaissance der Ordnungspolitik. Der Staat legt die Spielregeln fest und führt eine Missbrauchskontrolle wirtschaftlicher Macht durch, aber er verzichtet auf jede Intervention ins Wirtschaftsleben. Ganz wichtig: Die neue Regierung muss die fehlgeleitete Energiepolitik sofort beenden inklusive einem Wiedereinstieg in die Kernenergie, der Aufhebung des Fracking-Verbots, um in Deutschland Erdgas zu gewinnen und die Erlaubnis Kohlekraftwerke mit einem System zur Abscheidung (und Lagerung) von CO2 auszurüsten.  
Copycats?

In den USA gab es nun eine Gerichtsentscheidung, die das Geschäftsmodell zahlreicher KI-Firmen erschüttern könnte: Ross Intelligence darf seine KI nicht auf Daten von Thomson Reuters trainieren. Der Medienkonzern Thomson Reuters hatte 2020 das amerikanische KI-Unternehmen Ross Intelligence verklagt. Thomson Reuters warf Ross vor, die Inhalte seiner Plattform Westlaw unberechtigterweise zum Training einer KI verwendet zu haben. Nun hat ein Richter zugunsten von Thomson Reuters entschieden. Da werden die Macherinnen und Macher von Open AI und anderen KI-Unternehmen jetzt ins Schwitzen kommen.

Denn Thomson Reuters, zu dem auch die Nachrichtenagentur gehört, ist nur einer von vielen Rechteinhabern, die sich gegen die Praktiken der KI-Unternehmen wehren. So wirft die „New York Times“ wirft Open AI und Microsoft in einer 69-seitigen Anklageschrift vor, Artikel und Inhalte der Zeitung zum Training der KI genutzt zu haben. Sollte zugunsten der Zeitung entschieden werden, könnte das Medienhaus Schadenersatz in Millionenhöhe verlangen oder gar die Vernichtung des Datensatzes, auf dem Chat-GPT trainiert wurde.

Wall Street schwächelt

Da passt ins Bild, dass der Chiphersteller Nvidia am Freitag um 4,1 fiel. Damit verfestigte sich an der Wall Street die auch von Konjunktur- und Inflationssorgen geprägte Kursschwäche. Der Leitindex Dow Jones Industrial sank um 1,7 Prozent auf 43.428 Punkte. Der von Technologieaktien geprägte Nasdaq 100 verlor zwei Prozent auf 21.614 Zähler. Für den breit aufgestellten S&P 500 ging es um 1,7 Prozent auf 6.013 Zähler bergab. Auf Wochensicht verbuchten alle drei Indizes deutliche Verluste: Der Dow verlor 2,5 Prozent, der S&P 500 1,7 Prozent und der Nasdaq 100 2,3 Prozent.

Unterschiedlich ausgefallene Stimmungsdaten aus der Industrie und dem Service-Sektor hatten am Freitag letztlich den Abgabedruck noch etwas verstärkt. Zudem hatte sich das von der Uni Michigan ermittelte Konsumklima stärker als erwartet eingetrübt. Die Furcht vor einer durch Zölle ausgelösten höheren Inflation habe die Stimmung belastet, begründete die Universität den Rückgang. Zinssenkungsfantasien bekamen so einen Dämpfer.

Am Markt hieß es außerdem, dass Anleger weiter eher auf Aktien aus anderen Weltregionen wie etwa Asien oder Europa setzten, wo sich die Kurse derzeit besser entwickeln und Anteilscheine als günstiger bewertet gelten. Vor allem Technologiewerte in China waren am Freitag gefragt. „Mit DeepSeek hat das Reich der Mitte seine hohe Leistungsfähigkeit in diesem Bereich in Erinnerung gebracht“, schrieb Eckhard Schulte vom Vermögensverwalter MainSky Asset Management. Er sieht dort im Vergleich zu US-Technologiewerten immer noch eine recht große Bewertungslücke.

Deutlich steigende Kurse gab es daher vor dem Wochenende auch bei in den USA notierten Aktien chinesischer Technologiekonzerne. In Hongkong hatte der Kurs von Alibaba mit einem Plus von mehr als 14 Prozent bereits darauf reagiert, dass die Chinesen unter ihren Anlegern die Fantasie für Künstliche Intelligenz weiter belebten. In New York knüpften die Titel mit einem Plus von 5,7 Prozent an ihre seit Tagen laufende Rally an.

Ansonsten aber wurden in New York im ungewissen und schwachen Umfeld defensivere Werte zulasten von Tech-Aktien bevorzugt. Im Dow lagen mit Merck & Co ein Vertreter aus dem Pharmasektor mit plus 2,1 Prozent vorn. Coca-Cola gewannen 1,9 Prozent und nahmen Kurs auf das Rekordhoch vom September 2024.

Schlusslicht waren Unitedhealth mit minus 7,2 Prozent. Das „Wall Street Journal“ hatte unter Berufung auf Kreise über eine Untersuchung des US-Justizministeriums berichtet. Dieses nehme die Abrechnungspraxis des Krankenversicherers im Rahmen des staatlichen Versicherungsprogramms Medicare unter die Lupe, hieß es.

Rivian rutschten um 4,7 Prozent ab, weil der E-Fahrzeughersteller mit seiner Prognose für die Auslieferungszahlen im ersten Quartal enttäuscht hatte. Genauso stark bergab ging es für Tesla, womit der Abwärtstrend seit dem Rekordhoch von Mitte Dezember intakt bleibt. Für Schlagzeilen sorgte am Freitag ein Pressebericht, wonach Tesla schon bald beim kriselnden japanischen Autokonzern Nissan einsteigen könnte.

Die Aktien des Getränkeunternehmens Celsius Holdings schnellten um fast 28 Prozent nach oben. Andrea Teixeira von JPMorgan schrieb, das vierte Quartal sei besser verlaufen als befürchtet. Hinzu kam eine vermeldete Übernahme: Geschluckt werden soll mit Alani Nutrition ein Konkurrent im Energy-Drink-Bereich. 

Auch der DAX gibt nach

Zuvor hatte schon der Dax am Ende einer turbulenten Handelswoche etwas weiter nachgegeben. Der deutsche Leitindex schloss 0,1 Prozent im Minus bei 22.288 Punkten. Angesichts der Gewinnmitnahmen nach dem jüngsten Höhenflug ergibt sich ein Wochenverlust von einem Prozent. 

Der MDax , in dem sich die mittelgroßen Unternehmen versammeln, legte am Freitag um 0,4 Prozent auf 27.501 Punkte zu. Vor der Bundestagswahl am Sonntag hielten sich die Anleger eher zurück, kommentierte Finanzmarktexperte Andreas Lipkow.

Am Mittwochmorgen hatte der Dax seine monatelange Rekordjagd noch mit einem Höchststand von gut 22.935 Punkten gekrönt. Nach 15 Prozent Plus im laufenden Jahr und einem bereits sehr starken Vorjahr machten die Anleger dann aber Kasse.

Der Blick auf die Wahlumfragen mahnt zur Vorsicht. Einigkeit herrscht nur in der Einschätzung, dass die Union aus CDU und CSU mit Abstand die meisten Stimmen erhalten wird – vor der AfD, mit der alle anderen Parteien aber eine Koalition ausgeschlossen haben. Eine Unions-Mehrheit mit der SPD oder den Grünen gilt schon als weniger sicher.

Dem Trendbarometer von RTL und NTV zufolge könnte es sogar für ein schwarz-rotes Bündnis knapp werden. Ein solches wäre die wahrscheinlichste Option für eine Zweierkoalition. Denn die CSU will mit den Grünen auf keinen Fall regieren. Reicht es dafür nicht, müsste eine Dreierkoalition gebildet werden, was die Verhandlungen sehr wahrscheinlich erschweren würde.

ProSiebenSat.1 profitierte von neu angefachter Übernahmefantasie: Mit einem Kurssprung von gut elf Prozent machten die Aktien die jüngsten Verluste mehr als wett. Sie führten die Gewinnerliste im Nebenwerteindex SDax klar an und lagen damit auf dem Niveau von Ende Oktober. Laut der italienischen Tageszeitung „La Stampa“ erwägt die Medien-Holdinggesellschaft MediaForEurope, die fast 30 Prozent an dem Münchner Unternehmen hält, irgendwann nach der Bundestagswahl eine Übernahmeofferte.

Bei der Deutschen Beteiligungs AG konnten sich die Anleger über eine Kurserholung um vier Prozent freuen. Das Unternehmen hatte angekündigt, nur wenige Tage nach dem Ende des letzten Aktienrückkaufprogramms ein neues zu starten.

Im Dax fielen Airbus-Papiere um mehr als drei Prozent. Das US-Investmenthaus Jefferies hatte seine Kaufempfehlung für die Titel gestrichen. Analystin Chloe Lemarie riet den Anlegern nach dem soliden Quartalsbericht vom Vortag, auf eine anziehende Produktionsdynamik des Flugzeugbauers zu warten. Denn davon werde die Stimmung in den kommenden Quartalen abhängen.

Für die Aktien des Kupferkonzerns Aurubis ging es im MDax um drei Prozent bergab. Hier hatte eine Abstufung der Großbank UBS belastet, die nun zum Verkauf rät. Die Verknappung auf den Märkten für raffiniertes Kupfer und Kupferkonzentrate dürfte zu weiterhin eher niedrigen Schmelzlöhnen und Raffineriemargen für Kupferschrott führen, schrieb Analyst Daniel Major. (baha/dpa-AFX)

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