Börsenwoche: Rückblick/Ausblick, erfreulicher Start ins neue Jahr

©peterschreiber.media /Adobe Stock
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Im Jahr 2025 stand der US-Dollar spürbar unter Druck. Gründe dafür fanden Analysten vor allem in der sehr hohen US-Staatsverschuldung und der von US-Präsident Donald Trump ab April eingeführten Zollpolitik: Höhere Zölle verteuern Importe und können die Inflation anheizen, auch wenn dies politisch selten thematisiert wird.

Für Anleger in Europa hatte das zwei Effekte: Einerseits wurden US-Anlagen in Euro gerechnet beim Kauf günstiger. Anderseits litt die Rendite auf früher eingegangene Positionen amerikanischer Aktien und Anleihen jedoch, weil Währungsverluste Kursgewinne wieder auffraßen. Damit bestätigt sich für das Börsenjahr 2025 ein altbekannter Grundsatz: Eine breite Diversifikation über Regionen, Sektoren, Anlageklassen und Währungen bietet einen Schutzschild. Bei den Rohstoffen fielen die exorbitanten Gewinne der Edelmetalle auf: Gold gewann in Euro gerechnet mehr als 44 Prozent, Silber konnte sich sogar mehr als verdoppeln (Plus 115 Prozent).

Das Aktienjahr 2025 wurde massgeblich von zwei Themen geprägt: Zum einen die Künstliche Intelligenz – Aktien von Unternehmen wie Nvidia und anderen US-Technologieführern entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette (von Halbleitern über Cloud-Anbieter bis hin zu Software- und Plattformunternehmen) gelten weiterhin als Trendtitel. Zum anderen die Stärkung der Wehrhaftigkeit – beispielsweise zählte Rheinmetall weltweit zu den auffälligsten Gewinnern und gehört immer noch zu den meistgehandelten Aktien auf dem Kurszettel. Ein Plus von knapp 165 Prozent spricht eine deutliche Sprache. 

In den Markteinschätzungen der Banken und Broker gelten Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Dateninfrastruktur nach wie vor als zentrale Treiber. Betrachtet man die gesamte Wertschöpfungskette, so stehen insbesondere folgende Bereiche im Fokus: Erstens Software- und KI-Anwendungen im Gesundheitswesen, der Industrie und bei Versicherungen und Banken mit dem Ziel, die Effizienz und Produktivität zu steigern. Zweitens Halbleiter und spezialisierte Hardware, um die notwendige Rechenleistung für komplexe KI-Modelle bereitstellen, und drittens Daten- und Rechenzentrums-Infrastruktur inklusive der Betreiber und Immobilienunternehmen, die Rechenzentren planen, errichten und betreiben. Eng damit verbunden sind die Bereiche Energie, Strom und Versorger. KI-Anwendungen und Rechenzentren erhöhen den Strombedarf erheblich. Entsprechend richtet sich die Aufmerksamkeit vieler Marktteilnehmer auch auf Energieversorger und Netzbetreiber. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen bleiben zudem Sicherheit, Rüstung und Infrastruktur in vielen Marktkommentaren wichtige Themen. Diskutiert werden dabei Rüstungs- und Sicherheitsunternehmen sowie Infrastrukturunternehmen in den Bereichen Verkehr, Energie und digitale Netze.

In zahlreichen Marktkommentaren werden Gold und Silber als  Profiteure einer Welt mit hoher Staatsverschuldung und „weichen” Währungen auch in 2026 genannt. Ergänzend werden Gold- und Silberminenwerte als indirekter Hebel auf die Entwicklung der Metallpreise thematisiert. Darüber hinaus rücken Industriemetalle wie Kupfer vor dem Hintergrund der Elektrifizierung und Energiewende sowie Uran und Kernkraft im Zusammenhang mit dem durch KI und Rechenzentren steigenden Strombedarf stärker in den Vordergrund.

In vielen Marktanalysen wird Europa, einschliesslich der Schweiz und Deutschland, als Region mit moderaten Bewertungen im Vergleich zu den USA beschrieben. Beide Märkte sind in den vergangenen Jahren hinter den grossen US-Indizes zurückgeblieben und gelten daher vielfach als eher günstig bewertet. Zwar bleiben die USA wichtigster Standort für Hightech- und KI-Unternehmen. Der dortige Markt wird jedoch in vielen Kommentaren als hoch bewertet eingeschätzt, insbesondere im Umfeld des KI-Hypes. Für die kommenden Jahre werden weitere Zinssenkungen durch die Fed diskutiert, teils auf Niveaus unter drei Prozent. Ein solches Umfeld wird häufig mit der Aussicht auf einen tendenziell schwächeren US-Dollar und Unterstützung für reale Sachwerte wie Aktien, Edelmetalle oder Immobilien verknüpft. 

Natürlich werden auch Risiken diskutiert. Zum einen sind da die erwarteten Zinssenkungen, insbesondere in den USA: Ihr Ausbleiben könnte die Bewertungen von Aktien, Immobilien und Kryptowährungen deutliche beeinflussen. Ausschlaggebend bleibt, ob die Inflation nachhaltig unter Kontrolle ist, denn davon hängt die Tragfähigkeit der heute eingepreisten Gewinn- und Zinsannahmen ab. Parallel dazu spielen in den USA neben der Geldpolitik auch handelspolitische Fragen, darunter mögliche Änderungen bei Zöllen, eine Rolle. Das Zusammenspiel von Zins- und Handelspolitik kann die Rahmenbedingungen für Unternehmen und Finanzmärkte verändern. Dazu kommen Übertreibungsrisiken: Ein grosser Teil der Kursentwicklung der vergangenen Jahre wurde von wenigen, sehr grossen Hightech- und KI-Werten getragen. 2026 dürfte daher die Frage im Mittelpunkt stehen, ob die tatsächlich erzielten Unternehmensgewinne die hohen Erwartungen der Vergangenheit erfüllen können. Schließlich dürfte 2026 erneut ein Jahr sein, in dem politische Ereignisse zeitweise stärker auf die Märkte durchschlagen als reine Fundamentaldaten. Ein Beispiel sind die im November 2026 anstehenden Zwischenwahlen in den USA (Midterm Elections). Der längere Wahlkampf mit zugespitzter Rhetorik und taktischen Manövern sowohl von Republikanern als auch Demokraten könnte vorübergehend zu zusätzlicher Unsicherheit und Volatilität führen.

Der Start in das Börsenjahr 2026 ist dem deutschen Aktienmarkt am am Brückentag zwischen Neujahr und dem Wochenende aber insgesamt geglückt. Die Nebenwerte-Indizes legten am Freitag deutlich zu, während der Dax einen Großteil seiner Gewinne aus dem frühen Handel nicht halten konnte. Am Vormittag hatte der Leitindex noch zeitweise Kurs auf das Rekordhoch vom Oktober bei 24.771 Punkten genommen und damit an sein starkes Jahr 2025 mit einem Gewinn von 23 Prozent angeknüpft. Die dynamische Rally nach Handelsstart sei aber gleich wieder abverkauft worden, was für eine anhaltend hohe Bereitschaft zu Gewinnmitnahmen spreche, schrieb Christine Romar, Europachefin des Handelshauses CMC Markets. Der Dax schloss schließlich 0,2 Prozent höher bei 24.539 Punkten. Als Stütze erwiesen sich hohe Kursgewinne bei den Aktien des Energiekonzerns RWE und des Triebwerkherstellers MTU. 

Der MDax der mittelgroßen Werte gewann 1,2 Prozent auf 30.980 Zähler. Die Papiere von Aixtron  zogen um gut 13 Prozent an und hatten damit im MDax klar die Nase vorn. Gute Vorgaben waren aus Asien gekommen: Dort profitierten Baidu von einem geplanten Börsengang der Halbleitersparte, und die Aktien von Samsung Electronics waren so teuer wie nie zuvor.

Deutsche Stahlaktien wie Salzgitter und Thyssenkrupp waren auch zum Auftakt 2026 gefragt. Salzgitter schnellten als bester Wert im SDax um 11,5 Prozent hoch, Thyssenkrupp gewannen 4,8 Prozent. Beide Papiere profitierten von der Hoffnung auf eine Belebung der deutschen Wirtschaft sowie von Schutzmaßnahmen der EU-Kommission für Europas Stahlwirtschaft, die unter Billigimporten von staatlich subventioniertem China-Stahl leidet. Der Rüstungsboom sorgte zusätzlich für positive Impulse. Bei Salzgitter kommt der starke Lauf der Aurubis-Aktien hinzu, Salzgitter hält an dem Kupferkonzern fast 30 Prozent. Die Hamburger Kupferhütte profitiert von der hohen Nachfrage nach dem Industriemetall, das für den Ausbau der Alternativen Energien, die Elektromobilität sowie die Künstliche Intelligenz unerlässlich ist. Die Papiere von Aurubis hatten ein Rekordhoch erreicht und gewannen letztlich 1,6 Prozent.

Der Jahresauftakt an den US-Börsen verlief danach ohne klare Richtung verlaufen. Nach einem freundlichen Start ging der bekannteste Wall-Street-Index Dow Jones Industrial zunächst auf eine Berg- und Talfahrt, die er schließlich mit Gewinnen beendete. Die überwiegend mit Technologie-Aktien bestückten Nasdaq-Indizes schlossen nach zeitweise deutlichen Gewinnen in der Verlustzone. Die Stimmung für Aktien mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz (KI) war alles in allem jedoch dank einiger Impulse aus Asien positiv.

Die erratischen Marktbewegungen so früh im neuen Jahr sollten allerdings nicht überbewertet werden, hieß es von Börsianern. Die Handelsumsätze seien wie bereits zur Weihnachtszeit traditionell sehr dünn, was die Kurse heftiger als gewöhnlich in die eine oder andere Richtung ausschlagen lasse. “Institutionelle Anleger und die ‘Big Boys’ der Wall Street werden ihre Schreibtische wohl erst am kommenden Montag wieder voll besetzen”, kommentierten die Experten vom Broker Activtrades. Im weiteren Verlauf des Monats Januar läuft dann allmählich die Berichtssaison mit den Zahlen für das Schlussquartal des vergangenen Jahres an.

Letztlich ging der Dow knapp unter seinem Tageshoch, mit einem Plus von knapp 0,7 Prozent auf 48.382 Punkten, aus dem Geschäft. Im verkürzten Wochenverlauf hat er damit um 0,7 Prozent nachgegeben. Im vergangenen Jahr hatte der Wall-Street-Index ein Plus von insgesamt rund 13 Prozent verbucht.

Der breite S&P 500 legte am Freitag nach einem kleineren Auf und Ab letztlich um 0,2 Prozent auf 6.858 Zähler zu. Der Nasdaq 100 verlor dagegen knapp 0,2 Prozent auf 25.206 Zähler, nachdem er im frühen Geschäft noch um fast 1,5 Prozent zugelegt hatte. Im Wochenverlauf beträgt sein Minus 1,7 Prozent. 2025 hatte der technologielastige Auswahlindex mit einem Gewinn von gut 20 Prozent abgeschlossen.

Die Impulse für KI-Aktien in den USA kamen aus China und Südkorea: Nachdem die Aktie des Tech-Giganten Baidu bereits in Hongkong von der Vorbereitung des Börsengangs für seine KI-Chipsparte Kunlunxin profitiert hatte, legte der anstelle der Aktie gehandelte Hinterlegungsschein (ADR) auch in den USA um 15 Prozent zu. Obendrein verlief der Börsengang des chinesischen Entwicklers von KI-Chips, Biren Technology, äußerst erfolgreich. Der Kurs der Aktie legte im Vergleich zum Ausgabepreis in Hongkong um 76 Prozent zu. Samsung kletterten zudem in Seoul auf ein Rekordhoch.

Unter den KI-Werten in den USA zogen Nvidia um 1,3 Prozent an, AMD gewannen 4,4 Prozent und Micron sogar 10,5 Prozent. Auch Strategy, Marvell Technology, Intel und LAM Research legten deutlich zu. Tesla dagegen büßten nach einem freundlichen Start 2,6 Prozent ein. Der E-Autohersteller enttäuschte mit seinen weltweiten Absatzzahlen im vergangenen Quartal. Während der chinesische E-Autobauer BYD seine Verkäufe sowohl im Schlussquartal 2025 als auch im Gesamtjahr steigerte und 2025 fast 2,3 Millionen reine E-Fahrzeuge auslieferte, ging der weltweite Absatz von Tesla im Schlussviertel 2025 zurück. Er blieb obendrein auch unter der vom Unternehmen zur Verfügung gestellten Konsensschätzung. Da Tesla 2025 insgesamt nur rund 1,6 Millionen E-Autos auslieferte, ist nun BYD die globale Nummer eins unter den E-Autoherstellern.

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