Buchtipp der Woche: Die stille Heldin

Foto: Penguin Verlag Die stille Heldin
Foto: Penguin Verlag

Es gibt Lebensgeschichten, die so gewaltig sind, dass man beim Lesen unwillkürlich den Atem anhält. Hera Linds neuer Roman „Die stille Heldin“ gehört zu diesen Geschichten.

Das Buch erinnert uns daran, wie unvorstellbar stark Menschen sein können, wenn ihnen das Leben keine Wahl lässt. Und wie viel von dieser Stärke in Familien fortwirkt, oft über Generationen hinweg.

Im Mittelpunkt steht Helene, eine junge Frau im ländlichen Runau des Jahres 1905 (ehemaliges Deutsches Reich, heute gehört es zu Polen). Sie erfährt früh, dass Hoffnung manchmal weniger ein Versprechen ist als eine Entscheidung. Gegen ihren Willen mit dem brutalen Großbauern Otto verheiratet, erlebt sie eine Ehe, die vom Willen des Patriarchen regiert wird. Ihre Söhne schuften wie Knechte, Helene selbst trägt das Haus, den Hof und die Verantwortung, lange bevor der Krieg ihr Leben endgültig aus den Angeln hebt. Als Otto im Ersten Weltkrieg fällt, bleibt sie als sechsfache Mutter zurück – überfordert, aber unbeirrbar.

Doch Hera Lind zeigt auch die unerwarteten Lichtblicke in Helenes Leben: die Liebe zu Ewald, einem Grenzsoldaten, mit dem sie sechs weitere Kinder bekommt. Für kurze Zeit scheint Glück greifbar. Doch die politischen Umbrüche der 1930er Jahre, der erstarkende Nationalsozialismus und schließlich der Zweite Weltkrieg greifen tief in das Gefüge der Familie ein. Helene verliert fünf ihrer zwölf Kinder – an Unfälle, an den Krieg, an ein grausames Verbrechen. Und trotzdem steht da diese Frau, die sich nicht brechen lässt, die weiter liebt, weiter schützt, weiter kämpft.

Hera Lind gelingt es in diesem Roman erneut, historische Fakten, empathisches Erzählen und lebendige Figuren zu einem Sog zu verweben, dem man sich kaum entziehen kann. „Die stille Heldin“ ist kein nostalgisches Heimatbuch, sondern ein kraftvoller, manchmal erschütternder Blick darauf, was Mut bedeutet, wenn die Welt brennt. Und ein literarisches Denkmal für all jene Mütter und Familien, deren Geschichten selten erzählt wurden, obwohl sie das Rückgrat der Gesellschaft bildeten.

Das Buch ist bereits am 29.10.2025 erschienen und jetzt im Handel, z.B. bei amazon (als Amazon Associate verdienen wir eine Provision für qualifizierte Einkäufe).

Diesen Artikel teilen

Schreibe einen Kommentar

Money DAy
Anzeige
Courage 01/26 Petkovic

Neue Ausgabe

Ein Grand-Slam-Sieg blieb Andrea Petković in ihrer Tenniskarriere verwehrt. Doch dafür hat sie etwas noch Wertvolleres gewonnen: Resilienz. Denn oft war die achtfache WTA-Turniersiegerin verletzt. Monatelang kämpfte sie nach einem Kreuzbandriss gegen die Schmerzen – und für ein Comeback. Mit Erfolg. „Schwierige Phasen machen dich widerstandsfähiger“, sagt sie heute. Im Interview spricht sie zudem über die Folgen ihrer frühen Flucht aus Jugoslawien, ihre Geldanlagen und ihre neue Leidenschaft – das Schreiben.