Buchtipp der Woche: „Was wir wissen können“

Foto: Thalia Was wir wissen können
Foto: Thalia

Es ist das Jahr 2119. Die Welt ist unter Wasser, Europa nur noch eine Kette von Inseln – der Reichtum, den wir kennen, ein ferner Traum.

Ian McEwan beginnt sein neuestes Buch mit diesem Bild, und daraus entspinnt sich eine Geschichte, die ebenso dystopisch wie menschlich, ebenso philosophisch wie spannend ist. „Was wir wissen können“ ist eine Erkundung unserer Gegenwart und der Dinge, die wir mitnehmen, wenn vieles verloren geht.

Der Literaturwissenschaftler Thomas Metcalfe begibt sich auf Spurensuche: Ein Gedicht von Francis Blundy, gewidmet seiner Frau Vivien, erstmals 2014 vorgetragen – und seitdem verschollen. Metcalfe sammelt Fotos, E-Mails, digitale Fragmente, Augenzeugenberichte; er durchforstet Archive und Erinnerungen. Was er findet, ist mehr als ein Stück Literatur: ein Netz aus Liebe und Geheimnissen, ein Verbrechen und das, was bleibt, wenn Kultur zur Legende wird. McEwan verbindet hier das Politische mit dem Persönlichen: Klimakrise, Verfall von Erinnerung und die Frage, was wir wirklich wissen können von dem, was war, und was möglich ist.

„Was wir wissen können“ schafft den Spagat zwischen Trost und Warnung. McEwan zwingt uns nicht lediglich, über das Schicksal einer literarischen Rarität zu rätseln. Er macht deutlich, wie sehr Zukunft und Vergangenheit verflochten sind, wie sehr Liebe, Schuld und Geheimnisse unser Menschsein bestimmen – auch in einer Welt, die – zumindest äußerlich – aufgegeben scheint.

Ein Buch, das man nicht einfach liest, sondern in dem man verweilt – mit der Frage im Gepäck: Was bleibt, wenn alles anders geworden ist?

Ian McEwans neuer Roman erscheint am 24. September 2025.

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