Der Mulch macht’s: Was das ist und was er bringt

Wer richtig mulcht, schützt den Boden vor Austrocknung und Unkrautbewuchs.
Wer richtig mulcht, schützt den Boden vor Austrocknung und Unkrautbewuchs. Foto: Philipp Schulze/dpa/dpa-tmn
Wasser sparen, Unkraut verhindern, Schnecken fernhalten: Mulch kann viel mehr als nur abdecken. Doch beim Mulchen kann auch einiges schiefgehen. Was man beachten muss, damit der Boden profitiert.

Lindlar/Rödelsee (dpa/tmn) – Wasser sparen beim Gärtnern? Die meisten denken da erst einmal an die Bewässerungstechnik. Doch es gibt eine effektive Alternative: Das Mulchen der Beetflächen hilft nicht nur, den Wasserverbrauch der Pflanzen im Garten zu reduzieren, sondern verhindert, dass Wasser ungenutzt verdunstet. 

Diese Kulturtechnik hat bereits in den 1980er Jahren Einzug in die Gärten gehalten, so Gärtnermeister Frank Schroeder. Mulchen bedeutet, dass man den gewachsenen Boden «in einer Pflanzung» mit organischem oder anorganischem Material bedeckt. So eine Schicht sollte mehrere Zentimeter hoch sein, damit die Abdeckung Wirkung zeigt.

Weil der Boden dann nicht mehr direkt von der Sonne beschienen wird, heizt er sich nicht so stark auf. Staudengärtnermeister Till Hoffmann nennt konkrete Vorteile, die sich aus dem Mulchen ergeben: 

  • Es muss weniger gewässert werden.
  • Das Wachstum der Pflanzen ist besser.
  • Weniger Unkraut siedelt sich an.
  • Man muss den Boden nicht lockern.

Aber welche Form von Mulch wählt man? Es gibt organischen und mineralischen Mulch. Das sind die Unterschiede:

Organischer Mulch

Organischer Mulch besteht beispielsweise aus Rinde oder Holzhäcksel. Auch Laub ist ein hervorragendes Mulchmaterial. 

Als nachwachsender Rohstoff wird Miscanthus-Häcksel im Handel mehr und mehr angeboten. Miscanthus, auch als Chinaschilf bekannt, ist ein mehrjähriges, hochwachsendes Gras, das in Deutschland angebaut wird. Die hohen Triebe sterben im Herbst ab und können als Rohstoff genutzt werden. 

Dieses leichte Material bietet einige Vorteile: Wird es nass, vernetzen sich die Häcksel und lassen kein Licht an den Boden. Die helle Farbe verringert die Erwärmung des Bodens. Miscanthus-Mulch ist zudem pH-neutral und frei von Gerbsäuren. Er verhindert Schneckenbefall und schützt Kulturen wie Erdbeeren vor Fruchtfäule.

Weitere nachwachsende Rohstoffe, die als Mulch verwendet werden, sind Wollvliese von Schafen und Moos. «Wollvlies wird auf den Boden aufgelegt, wodurch Beikräuter an Lichtmangel sterben», sagt Frank Schroeder und fügt hinzu, dass Wolle Wasser speichert und ein Stickstofflieferant ist. 

Staudengärtnermeister Hofmann hat noch einen Tipp: Auch der eigene Aufwuchs eines Beetes kann nach der Saison mit einem Rasenmäher zu Mulch verarbeitet werden. Vorausgesetzt, die zusätzliche Humus- und Nährstoffgabe passt zum Konzept der Pflanzung. Ebenso kann im Frühling anfallender Strauch-, Stauden- und Gräserschnitt gehäckselt und als Mulch verteilt werden.

Entscheidend für den richtigen Umgang mit organischem Mulch ist die Tatsache, dass ausreichend Stickstoff zugegeben werden muss. Denn: Bei der Zersetzung der organischen Materialien wird dem Boden Stickstoff entzogen.

Mineralischer Mulch

Bei mineralischem Mulch wird Sand, Kies oder Splitt verwendet. «Er ist leider durch die unsäglichen Kies- und Schotterwüsten in Mode gekommen», sagt Gärtnermeister Schroeder. Allerdings sind diese mittlerweile häufig verbotenen «Schottergärten» ohne eine Bepflanzung geplant. 

Mineralischer Mulch eignet sich auch für offene und voll besonnte Blumenbeete, die sich gut ohne nennenswerten organischen Eintrag entwickeln. Staudengärtnermeister Hofmann nennt Steingärten sowie Rabatten mit Steppen- oder Präriestauden als Beispiele. 

Wichtig: «Die Wahl des Materials sollte gestalterisch passen und lokal zu wirtschaftlichen Preisen verfügbar sein», sagt Hofmann. Technisch gesehen ist es zweitrangig, um welches Gestein es sich handelt.

So bringt man Mulch richtig aus

Viel wichtiger ist die richtige Ausbringung von Mulch. Die Schicht sollte gut acht bis zehn Zentimeter dick sein. Wichtig: Das gilt nicht für frisch ausgebrachtes Material. Gemessen wird erst, wenn sich der Mulch gesetzt hat. 

Die Faustformel von Hofmann lautet: Je feinteiliger das Material, desto stärker sollte die Mulchschicht aufgetragen werden. Ist die Decke zu dünn, unterdrückt sie weder Unkraut noch spart man nennenswert Wasser. 

Beim Zeitpunkt gibt es Unterschiede

  • Organischer Mulch wird am besten im Frühling nach dem Rückschnitt und vor dem Neuaustrieb der Stauden ausgebracht.
  • Mineralischer Mulch sollte direkt bei der Neupflanzung auf das Beet. kommen. Dabei kann man entweder flächig den Mulch auftragen oder später zwischen die Stauden streuen.

In jedem Fall sollte es nicht zu einer Vermischung von Abdeckung und anstehendem Boden kommen. Hofmann rät aber, auf Vliese, Gewebe oder dergleichen unter einer Mulchabdeckung zu verzichten. 

Ein gewisser Vorrat an Mulch ist sinnvoll, um nachträglich beim Pflanzen und auch bei der Pflege Mulch nachlegen zu können. Es darf kein Topfballen an der Oberfläche zu sehen sein.

Wie lange hält der Mulch?

  • Organischer Mulch muss in regelmäßigen Abständen immer wieder aufgefrischt werden, weil sich das Material zersetzt.
  • Mineralische Materialien halten ihre Dicke über mehrere Jahre. 

Zunächst wächst im gemulchten Beet kaum noch Beikraut, allerdings sollte man die Fläche aufmerksam beobachten. Ausdauernde Beikräuter wie Winde und Quecke sollten bereits vor dem Mulchen gründlich mit Wurzel entfernt werden. Andernfalls wachsen sie auch unter der Abdeckung weiter. 

Mineralisch gemulchte Flächen müssen von organischen Resten wie Laub und Moos befreit werden. Blasgeräte erwiesen hier gute Dienste, «da sie auch feinste Reste entfernen», rät Hofmann.

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