Digitale Barrieren im Internet

Wie verändert sich der Arbeitsmarkt in Zukunft? Bei dieser Frage spielt auch die zunehmende Automatisierung durch KI eine Rolle.
Barrierefreiheit im Internet. Foto: Heiko Rebsch/dpa/dpa-tmn

Unternehmen in Deutschland sind verpflichtet, ihre Online-Angebote barrierefrei zu gestalten. Aber sowohl Menschen mit als auch jene ohne Behinderung haben laut einer neuen IW-Studie mit vielen digitalen Hemmnissen im Arbeitsleben zu kämpfen. Von barrierefreien Webseiten würden nicht nur die Beschäftigten profitieren, sondern auch die Firmen selbst.

Sperriger Begriff für einfachere Benutzung: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist im Juni 2025 in Deutschland in Kraft getreten. Es verpflichtet Unternehmen, bestimmte Waren und Dienstleistungen digital barrierefrei anzubieten und somit zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung beizutragen. Ausgenommen sind lediglich Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten und maximal 2 Millionen Euro Jahresumsatz.

Dass in dieser Hinsicht noch viel zu tun ist, belegt eine Untersuchung von DataPulse Research und Buzzmatic aus dem vergangenen Jahr: Im Jahr 2024 waren rund 99 Prozent der analysierten deutschen Online-Shops nicht barrierefrei. Weitere Studien aus 2025 unterstreichen das ausbaufähige Gesamtbild.

Das IW hat nun die Perspektive der Menschen vor dem Bildschirm untersucht und Beschäftigte in Deutschland gefragt, für wie wichtig sie die digitale Barrierefreiheit für ihre Arbeit halten und auf welche digitalen Barrieren sie im Rahmen ihrer Arbeit stoßen. In der IW-Beschäftigtenbefragung im Mai und Juni 2025 äußerten sich dazu knapp 5.000 Personen, gut 12 Prozent von ihnen hatten eine amtlich anerkannte Behinderung.

Zunächst einmal verdeutlicht die Befragung den Wert der digitalen Medien im Arbeitsumfeld. 84 Prozent aller Beschäftigten und knapp 82 Prozent der Menschen mit Behinderung nutzen sie in ihrem beruflichen Alltag. Dabei spielt Barrierefreiheit eine große Rolle, vor allem für jüngere Beschäftigte (Grafik):

Für gut sieben von zehn Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahren ist die digitale Barrierefreiheit für ihre Arbeit wichtig oder sehr wichtig.


So viel Prozent der Befragten in diesem Alter schätzen die digitale Barrierefreiheit für ihre Arbeit als wichtig beziehungsweise unwichtig ein

In der Gruppe der älteren Beschäftigten sinkt die Relevanz etwas, im Durchschnitt betonen knapp 61 Prozent von ihnen die Bedeutung von barrierefreiem Arbeiten in der digitalen Welt. Die höheren Zustimmungswerte in der jungen Altersklasse deuten darauf hin, dass sie – möglicherweise bedingt durch den stärkeren Gebrauch von digitalen Medien seit ihrer Kindheit – sensibler für das Thema der digitalen Barrierefreiheit sind.

Unter den jungen Beschäftigten mit Behinderung ist dies noch stärker ausgeprägt: Mehr als 80 Prozent stufen die digitale Barrierefreiheit für ihre Arbeit als wichtig ein.

Auch bei der Frage danach, wie häufig ihnen bestimmte digitale Barrieren begegnen, berichten die 18- bis 29-Jährigen von den gravierendsten Problemen. Über alle Altersklassen hinweg kristallisiert sich eine Barriere als die größte heraus (Grafik):

Eine unübersichtliche Strukturierung von Websites bemängeln die Beschäftigten in Deutschland am häufigsten.

So häufig begegnen den Beschäftigten in Deutschland bei ihrer Arbeit diese digitalen Barrieren auf einer Skala von 1 (nie) bis 4 (häufig)

Schwer verständliche Sprache ist ebenfalls für viele ein wiederkehrendes Hemmnis.

Die Befragungsergebnisse unterstreichen, wie wichtig Barrierefreiheit im Internet ist – nicht nur für Menschen mit Behinderung. Jenen Unternehmen, die bei ihren Angeboten und Dienstleistungen Barrieren schnell abbauen, bietet sich eine Reihe von Vorteilen.

  • First-Mover-Vorteil. Wenn Unternehmen digitale Barrierefreiheit frühzeitig umsetzen, kann ihnen dies einen Wettbewerbsvorteil auf dem Markt sowie verstärkte Aufmerksamkeit verschaffen.
     
  • Kundenzufriedenheit. Sind Websites barrierefrei gestaltet, sind sie in der Regel auch benutzerfreundlich, was eher zu zufriedenen Kunden führt.
     
  • Arbeitsbelastung. Barrierefreie Websites sorgen dafür, dass Kunden die für sie relevanten Informationen leichter und schneller finden. Dadurch können sich die Fragen ans Support-Team verringern.
     
  • Reichweite. Suchmaschinen wie Google und Bing finden Online-Inhalte einfacher, wenn diese leicht zugänglich und nutzerfreundlich konzipiert sind. Das kann die Sichtbarkeit und die Reichweite des Unternehmens erhöhen.

Setzen Unternehmen digitale Barrierefreiheit auch innerhalb der eigenen Organisation um und denken damit das BFSG einen Schritt weiter, kann ihnen das zusätzliche Vorteile bieten:

  • Attraktivität. Arbeitslose mit Schwerbehinderung sind in Deutschland statistisch gesehen tendenziell besser ausgebildet als Arbeitslose ohne Schwerbehinderung. Ein inklusives Online-Angebot kann ein Unternehmen für diese potenziellen Mitarbeiter attraktiver machen.
     
  • Produktivität. Bezogen auf innerbetriebliche Arbeitsabläufe kann eine digitale Barrierefreiheit dazu beitragen, Mitarbeiter physisch sowie psychisch zu entlasten und dadurch ihre Arbeitsleistung zu verbessern.

(Quelle: IWD – Digitale Barrieren im Internet – iwd.de )

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