Europas Industrie schwächelt

Europas Industrie sei besonders stark bei Autos und Elektrofahrzeugen und Industrieelektronik, die gerade für den Ausbau der Energienetze und für Wind- und Solaranlagen unersetzlich seien. «In beiden Märkten wird der Bedarf an Halbleitern massiv steigen», prognostiziert der ZVEI.
Europas Industrie sei besonders stark bei Autos und Elektrofahrzeugen und Industrieelektronik, die gerade für den Ausbau der Energienetze und für Wind- und Solaranlagen unersetzlich seien. «In beiden Märkten wird der Bedarf an Halbleitern massiv steigen», prognostiziert der ZVEI. Foto: Harald Tittel/dpa

Die Produktion der Industrie in Europa ist seit Beginn des russischen Krieges in der Ukraine besonderen Belastungen ausgesetzt. Sprunghaft gestiegene Energiepreise und Störungen in Lieferketten haben zu einem gestiegenen Nachfrage- und Wettbewerbsdruck geführt. In der Folge ist die Industrieproduktion in vielen Ländern gesunken. Das zeigt die Statista-Infografik auf Basis von Eurostat-Daten. Dies trifft im Vergleich der größten europäischen Volkswirtschaften insbesondere auf Italien und Deutschland zu. Der entsprechende Index gab für Italien auf Dreijahres-Sicht um 5,9 Punkte nach, der Index für Deutschland um 7,3 Punkte. Beide Länder liegen damit unter dem Durchschnitt alle 27 EU-Länder (-3,0 Indexpunkte).

Die Industrieproduktion in Spanien und Frankreich ist hingegen zuletzt wieder gestiegen. Dies liegt maßgeblich an dem zu Deutschland und Italien unterschiedlichen Branchenmix: Frankreich und Spanien konzentrieren sich vorrangig auf Bereiche wie Pharma, Textilien, Agrar-/Lebensmittelindustrie sowie weniger zyklische Produkte. Deutschland und Italien sind hingegen stark auf Maschinenbau und Investitionsgüter spezialisiert – also auf Industrien, die stark konjunktur- und investitionszyklusabhängig sind.

Das Schwächeln der deutschen Industrie hält dabei schon längere Zeit an. Die Industrieproduktion Frankeichs stagniert um die 100er-Marke. Spaniens Industrieproduktion hat um 2,4 Indexpunkte nachgegeben. Der Index der Industrieproduktion misst die Entwicklung des Produktionsvolumens der Industrie ohne Baugewerbe auf der Grundlage von saison- und arbeitstäglich bereinigten Daten.

Für Deutschland wiegt das Schwächeln der Industrie besonders schwer: Im Jahr 2024 hatte der Industriesektor einen Anteil von 25,8 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Die Anteile der Industrien der anderen gezeigten Länder an deren jeweiligem Bruttoinlandsprodukt liegen jeweils darunter, der EU-Schnitt liegt bei 22,1 Prozent.

Das Verarbeitende Gewerbe ist in Deutschland ein wichtiger Arbeitgeber: Zuletzt waren hier rund 5,5 Millionen Menschen beschäftigt. Derzeit werden allerdings viele Stellen abgebaut. Besonders betroffen ist dabei die Automobilindustrie. Zum Ende des 3. Quartals 2025 arbeiteten in dieser Branche gut 48.700 weniger Beschäftigte als noch ein Jahr zuvor. Dies entspricht einem Rückgang von 6,3 Prozent – so hoch wie in keiner anderen großen Industriebranche. (Quelle: Statista/cw)

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