Gegenwind für die Energiewende – obwohl Rahmenbedingungen äußerst günstig sind

Bereits vor der Veröffentlichung eines Monitorings zum Stand der Energiewende gibt es viel Kritik. (Symbolbild)
Windrad und Strommast (Symbolbild) Foto: Frank Molter/dpa

Die Bundesregierung plant derzeit eine Neuausrichtung der Energiewende. Angesichts einer stagnierenden Stromnachfrage wird darüber diskutiert, die Ausbauziele für Windkraft und Photovoltaik zu senken. Eine aktuelle Analyse von Energieökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) bestätigt, dass der Ausbau vor allem der Windenergie tatsächlich deutlich hinter dem Zielpfad liegt, weist gleichzeitig aber auf günstige Rahmenbedingungen hin. „Die Voraussetzungen für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien sind so günstig wie vermutlich noch nie“, sagt Wolf-Peter Schill, Leiter des Forschungsbereichs „Transformation der Energiewirtschaft“ in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im DIW Berlin. Schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, gesunkene Kosten und technologische Fortschritte sprächen dafür, das Ausbautempo eher zu beschleunigen, statt es zu reduzieren.

Insbesondere bei der Windkraft an Land gibt es den Auswertungen auf Basis des Open Energy Tracker zufolge viel Potenzial: Die Zahl der genehmigten Projekte ist im vergangenen und auch in diesem Jahr deutlich gestiegen. Würden alle bereits genehmigten Anlagen zeitnah realisiert, könnte der Windkraftausbau an Land bis 2028 seinen Zielpfad erreichen. Photovoltaikanlagen sind seit 2023 sogar schneller gewachsen als im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorgesehen. In diesem Jahr stagniert das Ausbautempo jedoch, obwohl es eigentlich weiter steigen müsste, um die Ziele zu erreichen. „Es ist der falsche Zeitpunkt, jetzt auf die Bremse zu treten. Der Ausbau der erneuerbaren Energien könnte endlich durchstarten – diese Chance sollte die Politik nun konsequent nutzen“, sagt DIW-Energieökonom Alexander Roth.

Technologieoffenheit könnte bei Sektorenkopplung zu Verzögerungen führen

Vor allem die Sektorenkopplung müsse beschleunigt werden, betonen die Studienautoren: Ein schnellerer Hochlauf von Elektrofahrzeugen, Wärmepumpen und grüner Wasserstoffproduktion sei entscheidend, um die Klimaziele zu erreichen. Das Wachstum der Elektromobilität stagniert. Im Heizungsbereich werden immer noch viele fossile Heizungen neu eingebaut – im ersten Halbjahr 2025 waren es allerdings erstmals etwas mehr neue Wärmepumpen als neue Erdgasheizungen. Auch die Elektrolyse – also die Produktion von Wasserstoff mittels Strom – wächst langsam und von einem sehr geringen Niveau aus. Die Entwicklung von Speichern und anderen Flexibilitätsoptionen hinkt dem Tempo der Erneuerbaren ebenfalls hinterher.

Nötig sei den Studienautoren zufolge eine klare Festlegung auf verfügbare, effiziente und skalierbare Technologien wie Batteriefahrzeuge und Wärmepumpen. „Ein technologieoffenes Leitbild ist hier mittlerweile wenig hilfreich, denn es verzögert Investitionsentscheidungen“, so Schill. „Wir brauchen einen klaren Kurs anstelle eines Kurswechsels.“ Für eine größere Flexibilität im Stromsystem seien zudem die schnellere Verbreitung intelligenter Messsysteme als Grundlage für dynamische Stromtarife und der priorisierte Anschluss großer Batteriespeicher entscheidende Stellschrauben. (Quelle: DIW Berlin)

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