Haben wir ein Problem mit toxischer Männlichkeit?

Foto: Federico Moreno/iStock Gewalt Männer toxisch
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Liebe Leserin, lieber Leser,

wir leben in unruhigen Zeiten. Als Innenministerin Nancy Faeser am Mittwoch die Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts für das Jahr 2024 veröffentlichte, beschäftigte mich eine Zahl ganz besonders. Die Zunahme der Gewaltkriminalität bei Kindern unter 14 Jahren um fast zwölf Prozent. Denn hier geht es nicht um harmlose Schulhofschlägereien (welche statistisch gar nicht erfasst werden), sondern um Raub, Vergewaltigung, Mord. Rohheitsdelikte liegen mit einem Anteil von 82 Prozent fest in männlicher Hand, wie eine Erhebung durch das Statistische Bundesamt aus dem Jahr 2023 zeigt. Gewalt gegen Frauen ist nicht neu. Aber, dass die Täter immer jünger werden, sollte uns als Gesellschaft zu denken geben. Was läuft da schief? Reicht der Erklärungsansatz toxische Männlichkeit?

Aufgegriffen wird diese Frage auch von der derzeitigen Netflix-Sensation „Adolescence“. Der britische Vierteiler begleitet den 13-jährigen Jamie und sein Umfeld, deren Welten völlig aus den Fugen geraten, als Jamie für den Mord an einer gleichaltrigen Mitschülerin verhaftet wird. Damit nehme ich nicht zu viel vorweg. Die Miniserie beschränkt sich nicht auf ein „Wer war’s?“ sondern fokussiert sich auf das „Warum war er es?“. Thema sind die lebenslangen Folgen einer solchen Tat für die Familie, die im Laufe der Handlung auf die verzweifelte Suche nach einer Scheinnormalität geht. Die Fassungslosigkeit der Mitschüler, die versuchen mit Wut, Mobbing und Ausgrenzung eine solche Tat für sich zu erklären. Eine teils ratlose Gerichtspsychologin, die nicht sicher scheint, was bei einem so jungen Täter noch Pubertät und schon Psychopathie ist. Und ob er überhaupt den Unterschied zwischen Recht und Unrecht kennt. Eindeutige Antworten gibt es nicht. „Adolescence“ trifft den Nerv der Zeit jedenfalls so sehr, dass selbst der britische Premierminister Keir Starmer öffentlich dazu anregt, die Serie an Schulen zu zeigen.

Woher kommt also diese Zunahme an Gewaltverbrechen bei jungen Männern? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Gewaltverbrechen junger Männer und gesellschaftlichen Entwicklungen, insbesondere im Hinblick auf Geschlechterrollen? Oder geht es viel simpler um den ständigen Zugang zur Frau als Ware? Befeuert durch Dating-Apps und Social Media, welche eine unbegrenzte Auswahl an Frauen suggerieren. Pornographische Inhalte sämtlicher Couleur setzen vielleicht zusätzlich die Hemmschwelle herab. Ich bin mir sicher, die Verfügbarkeit ohne Altersbeschränkung von so ziemlich allem, was das Internet zu bieten hat, spielt auf jeden Fall eine Rolle.

Die in meinen Augen durch das BKA vage formulierte mögliche Ursache, der Risikofaktor „gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen“, sprich toxische Männlichkeit, scheint mir zu verklausuliert und theoretisch. Tatsächlich müssen wir uns konkret fragen, wie wir diese Entwicklung stoppen können. Der Trend, diese Zahlen außerhalb ihrer Sterilität in den Kriminalstatistiken für ein breites Publikum als Unterhaltungsformat sichtbar zu machen, ist für mich ein Schritt in die richtige Richtung.

Lasst uns Probleme erkennen, benennen und dann gemeinsam nach Lösungen suchen. Was wäre dein Vorschlag? Schreibe gerne einen Kommentar und stimme bei unserer Umfrage ab.

Trotz unruhiger Zeiten wünsche ich euch ein ruhiges Wochenende.

Alexa Gräf

Redakteurin Courage

Haben wir ein Problem mit toxischer Männlichkeit?
  • Ja, haben wir. Das Internet hat sicherlich damit zu tun. 100%, 2 Stimmen
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  • So eng würde ich das nicht sehen. Die Zahlen beunruhigen mich auch, aber ich glaube die Erklärung dafür ist viel komplexer. 0%, 0 Stimmen
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  • Nein, das Internet hat diese ganze Sache viel zu sehr aufgebauscht. 0%, 0 Stimmen
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Abstimmungen insgesamt: 2
4. April 2025
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