In seiner Antrittsrede im Mai versprach der Kanzler viel. Schon im Sommer sollten die Deutschen spüren, so Friedrich Merz, dass es wirtschaftlich wieder vorangehe. Im Sommer rief er dann einen “Herbst der Reformen” aus. Zum Jahresanfang muss man festhalten: Weder das eine noch das andere traf zu. Die Regierung Merz/Klingbeil hält an den von den Vorgängerregierungen gesetzten falschen Prioritäten fest: Konsum und Umverteilung vor Investitionen.
Die Folgen lassen sich in den Berichten des Statistischen Bundesamtes ablesen: Die Wirtschaftsleistung stagniert seit sechs Jahren, teilweise bei hoher Inflation. Die privaten Investitionen befinden sich laut Ifo-Institut sogar nur auf dem Niveau von 2015. Die Staatsquote liegt inzwischen bei 50 Prozent, in den 2010er Jahren schwankte sie um die 45 Prozent, der globale Medianwert liegt bei gut 30 Prozent. Die enormen Energiepreise in Kombination mit einer hohen Steuerbelastung, immer weiter steigenden Arbeitskosten und überbordender Bürokratie haben dazu geführt, dass die deutschen Kernbranchen wie die Auto- und Chemieindustrie oder der Maschinenbau unter enormen Druck stehen. Hinzu kommen in vielen Sektoren steigende Zölle und neue Konkurrenten vor allem in und aus China. Darüber hinaus sind in den vergangenen Jahren die Lohnstückkosten immer weiter gestiegen, während das niedrige Produktionspotenzial weiter gesunken ist. Ein Vergleich: In der Schweiz kommen Beschäftigte auf durchschnittlich 1520 Jahresarbeitsstunden, in Deutschland nur auf 1330. Die Schweizer arbeiten also knapp fünf Wochen mehr als die Deutschen. Dazu kommen laut der OECD in Deutschland achtzehn Krankheitstage pro Jahr.
Gleichwohl ist der DAX im abgelaufenen Jahr um mehr als 20 Prozent gestiegen. Dafür gibt es eine plausible Erklärung: Während die oben beschriebenen Probleme in erster Linie den Mittelstand betreffen, verdienen die meisten börsennotierten, insbesondere die im DAX zusammengefassten 40 größten Unternehmen ihr Geld auf den Weltmärkten. Weil dort das Umfeld (Zinssenkungen in den USA, global stabiles Wachstum) auch 2026 stimmt, spricht alles in allem viel dafür, dass auch das kommende Jahr gute Chancen bietet. Sicher ist, dass Anlegerinnen und Anleger wie im abgelaufenen Jahr jederzeit auf heftige Schwankungen gefasst sein müssen. Was die chancenreichsten Branchen angeht, könnte der Zinsausblick Banken und Versicherungen weiteren Rückenwind verschaffen – eine verschärfte Schuldendiskussion könnte umgekehrt aber gerade hier auch besonders belasten. Der Vermögensverwalter DJE hebt zudem noch die anhaltenden Chancen im Bausektor und eine mögliche Branchenrotation hin zu defensiveren Sektoren wie Immobilien, Konsum-, Gesundheits- und Energiewerten hervor. Bonne Chance!
