Marktausblick: Geht ja gut los

Foto: zhuweiyi49/iStock Bullenmarkt Börse
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Die Aktienmärkte sind mit Volldampf ins neue Jahr gestartet. Der DAX hat erstmals die 25.000 Punkte überwunden. Gleichzeitig löst sich die alte Weltordnung auf. Wie passt das zusammen?

„Es mutet paradox an, dass die Aktienmärkte aufblühen, während die Weltpolitik anscheinend in Trümmer geht“, sagt der Chefvolkswirt der Deka-Bank, Ulrich Kater. Seine Erklärung: Es gibt einen Zusammenhang, geopolitische Krisen führten zu einem „Umbau der Märkte“. Das reiche von staatlichen Infrastrukturprogrammen bis hin zum neuen weltweiten Technologiewettlauf um die beste KI. Dieser Umbau bedingt Investitionen, die voraussichtlich die Konjunktur stützen. In diesem Jahr dürften zum Beispiel die ersten Gelder aus dem gewaltigen deutschen Schuldenpaket in die Infrastruktur und die Rüstung fließen.

Zuversicht für 2026

So herrscht denn auch unter den Fachleuten gedämpfter Optimismus für 2026. Es wird mit einem weiteren guten Jahr für die Börsen gerechnet, wenn auch nicht so fulminant wie 2025. Dafür spricht auch der Auftragseingang der deutschen Industrie, der im November überraschend hoch ausgefallen ist: Um 5,6 Prozent stieg er gegenüber dem Oktober, drei Monate in Folge wächst er nun wieder. „Die Talsohle dürfte durchschritten sein“, meint Volkswirt Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research. In den ersten Handelstagen des Jahres hat der DAX gleich mal gut zwei Prozent zugelegt. Die 25.000 Punkte sind eine psychologisch wichtige Marke. Gleichzeitig bekommen Anlegerinnen und Anleger an solchen Punkten auch schnell kalte Füße.

An der grundsätzlichen Zuversicht aber ändern selbst geopolitische Großereignisse wie die US-Intervention in Venezuela nichts. Sie wird vielmehr als Chance gesehen – auf einen niedrigen Ölpreis, der die Weltwirtschaft beflügeln und den Inflationsdruck senken könnte. Die Börse tickt halt einfach anders. Dass Russen und Chinesen dies als Freibrief werten könnten, etwa hinsichtlich einer Annexion Taiwans, wird erst mal ausgeblendet.

Voreilige Kurssprünge

Venezuela hat die größten Reserven der Welt. So haben in den USA Ölaktien und Ausrüster der Industrie wie Halliburton stark zugelegt. Allerdings sind die Multis offenbar noch zögerlich, ob sie tatsächlich, wie von Donald Trump angekündigt, Milliarden Dollar in die marode venezolanische Ölindustrie stecken sollen. Ein niedriger Ölpreis ist nicht im Interesse der Firmen, die das Zeug verkaufen. Außerdem dürfte es noch Jahre dauern, bis nennenswerte Mengen von dort fließen. Die Kurssprünge scheinen daher voreilig.

Etwas anderes könnte den Sturmlauf der Börsen kurzfristig bremsen – oder neu entfachen: Am heutigen Freitag kommen die Dezember-Daten zum Arbeitsmarkt in den USA. Die Entwicklung dort hat großen Einfluss auf die Zinspolitik der US-Notenbank und die wiederum auf die Stimmung an den Börsen. Läuft es nicht am Arbeitsmarkt, dürften die Zinsen bald wieder sinken – gut für Aktien. Und andersrum.

Die nächste Bilanzsaison

Nächste Woche geht es zudem auch schon wieder los mit den Bilanzzahlen: Die US-Finanzhäuser von Bank of America bis Wells Fargo legen ihre Quartals- und Jahreszahlen vor. Ebenso der weltgrößte Auftragsfertiger für Computerchips TSMC. Der Umsatz dort soll im mittleren 30-Prozent-Bereich gewachsen sein. Und auch die Luxuskonzerne Richemont und Brunello Cucinelli öffnen die Bücher. Auch von ihnen werden gestiegene Umsätze erwartet.

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