Es ist schon bezeichnend für unsere Zeit, wenn die Eröffnung einer Munitionsfabrik es in die „Tagesschau“ schafft. Rüstung ist das eine heiße Thema an der Börse derzeit, künstliche Intelligenz das andere…
Da ist zum einen Rheinmetall. Der Konzern eröffnete in der Lüneburger Heide eine neue Fabrikationsanlage für Artilleriemunition, wie sie vor allem von der Ukraine gebraucht wird. In zwei Jahren soll es die größte derartige Produktionsanlage in Europa sein. Insgesamt will Rheinmetall dann 1,5 Millionen Schuss jährlich herstellen – Verkaufspreis pro Stück: 4000 Euro. Zudem kündigte der Rüstungsriese an, in den Bereich Marine zu expandieren.
Sind das nicht positive Nachrichten für die Aktionärinnen und Aktionäre des Konzerns? Und was macht die Aktie? Nichts. Das ist eine der Eigenheiten der Börse, die gerade für jene schwer nachzuvollziehen sind, die erst seit Kurzem dort investieren. Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich auf Sicht eines Jahres bereits verdreifacht. Da muss dann auch mal Luft raus. Denn trotz allen Wachstums ist das Papier inzwischen hoch bewertet, Investoren nehmen derzeit eher Gewinne mit, sprich: Sie verkaufen. News hin oder her.
Ähnlich sieht das bei Nvidia aus, dem Protagonisten in Sachen KI. Am Mittwoch präsentierten die Amerikaner die jüngsten Quartalszahlen, die die Erwartungen der Analysten übertrafen. Aber das ist man von dem Chiphersteller inzwischen gewohnt. Und so sucht man das Haar in der Suppe. Was in diesem Fall das Geschäft mit Rechenzentren war, das leicht die Gewinnziele verfehlte. Die Aktie verlor etwas.
Verwöhnt vom Erfolg
Aktien wie Rheinmetall und Nvidia haben durch ihre Erfolge in der Vergangenheit die Erwartungen der Investorinnen und Investoren sehr weit nach oben geschraubt. Irgendwann wird die Luft dann dünn. So wartet man lieber mal ab, bis neue Fakten geschaffen sind. Etwa, dass sich das China-Geschäft von Nvidia wieder belebt. Oder wie viel Rheinmetall für die Übernahme einer Militärwerft der Lürssen-Gruppe, auf die die Düsseldorfer offenbar ein Auge geworfen haben, bezahlen muss.
Überhaupt sind wir an der Börse derzeit eher in einer Phase der Lustlosigkeit und des Abwartens, was nicht ungewöhnlich für den anstehenden September ist. Die US-Wirtschaft wächst zwar nach wie vor, im vergangenen Quartal mit 3,3 Prozent. Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher steigern ihre Ausgaben, um 1,6 Prozent dieses Mal. Doch Trumps Handelspolitik verunsichert nach wie vor, zudem ist die Zinssenkungsfantasie in den USA in den Kursen schon enthalten und der künftige Kurs der US-Notenbank noch ziemlich unsicher.
Showdown im DAX
Dennoch könnte die kommende Woche einige Impulse bringen. Am Mittwoch fällt die Entscheidung über den Verbleib einiger Aktien im DAX. Sind Marktkapitalisierung und Streubesitz zu gering, steigen sie ab. In Gefahr sind der Autobauer Porsche, die Holdinggesellschaft Porsche Holding und der Laborausrüster Sartorius. Potenzielle Nachrücker sind der Anlagenbauer Gea, der Portalbetreiber Scout24 und die Lufthansa.
Am Freitag folgen dann die Arbeitsmarktdaten für August aus den USA. Die letzten kosteten die Chefin der Statistikbehörde den Job, weil sie Donald Trump nicht gefielen. Im Juli waren nur 73.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft neu entstanden, viel weniger als erwartet. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich leicht auf 4,2 Prozent. Obendrein hatte die US-Behörde die Zahl der neu geschaffenen Stellen für Mai und Juni ungewöhnlich stark um insgesamt 258.000 Jobs nach untern korrigiert. Mal sehen, ob Trump dieses Mal wieder jemanden feuert…