So werden Freundschaften im Job zum Karriere-Booster 

Foto: Gaby Wasensteiner @hassou
Foto: Gaby Wasensteiner @hassou

Die Jacke an den Haken, den Laptop aufgeklappt – und dann der Blick zum Schreibtisch nebenan: Ist die Lieblingskollegin schon da? Für viele sind die schönsten Arbeitstage die, die mit einem gemeinsamen Kaffee in der Teeküche anfangen – und mit einem kurzen, freundschaftlichen Update: Was gibt’s privat Neues, was liegt im Job an?

Doch während die einen nicht ohne engere Kontakte am Arbeitsplatz können, möchten sich andere am liebsten nur auf ihre Arbeit konzentrieren. Sie brauchen niemanden, bei dem sie nach einem nervigen Call auch mal ganz ungeniert Frust ablassen dürfen – und kommen auch ohne eine vertraute Stimme der Vernunft aus, wenn sich die To-dos mal wieder stapeln. Gaby Wasensteiner ist Karriere-Expertin bei LinkedIn und für sie können Kolleginnen oder Kollegen definitiv mehr sein als rein berufliche Kontakte. 

„Freundschaftliche Beziehungen am Arbeitsplatz können die Motivation stärken, das Teamgefühl und die Zusammenarbeit verbessern und zu einer angenehmen Arbeitsatmosphäre beitragen. In einer neuen Umfrage von LinkedIn geben sogar mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer:innen in Deutschland ihre Kolleg:innen als Hauptgrund an, im aktuellen Job zu bleiben. Aber es gibt auch ein paar Stolperfallen für Freundschaften im Job. Es kann zum Beispiel schwierig werden, wenn sich beide um die gleiche Beförderung bemühen – oder wenn etwas, das im Vertrauen erzählt wurde, später im Team die Runde macht. Deswegen gilt es, eine gesunde Balance zu wahren. Manchen Personen gegenüber oder bei sensiblen Themen kann es besser sein, auf einer professionellen Ebene zu bleiben.“ 

Warum Freundschaften unter Kollegen so wertvoll sein können, welche Grenzen dabei beachtet werden sollten und wie Sie Herausforderungen ganz einfach überwinden, zeigt Gaby Wasensteiner in diesen vier Tipps. 

1. Das richtige Maß an Offenheit finden 

Natürlich ist im Job Professionalität gefragt. Trotzdem darf – und sollte – man sich auch am Arbeitsplatz so geben, wie man wirklich ist. Menschen schätzen Individualität und es fällt leichter, ins Gespräch zu kommen und echte Verbindungen aufzubauen, wenn man sich authentisch begegnet. Ich rate Ihnen aber, im Arbeitsumfeld grundsätzlich eher achtsam mit privaten Details umzugehen und immer erst einmal zu überlegen, ob es für Sie okay wäre, wenn diese Dinge auch im beruflichen Kontext bekannt würden. 

 2. Wer die Risiken kennt, kann die Vorteile genießen 

Bei Freundschaften unter Kollegen ist ein klares Rollenverständnis und offene Kommunikation unerlässlich – damit es weder auf persönlicher noch auf beruflicher Ebene zu Missverständnissen und Schwierigkeiten kommt. Denn schließlich bringen enge Kontakte bei der Arbeit auch Herausforderungen mit sich: Bekommt nur eine Person die Gehaltserhöhung, kann das für Neid und Missgunst sorgen. Und es ist kein schönes Gefühl, internes Wissen nicht teilen zu dürfen, weil sich der oder die Work-Bestie auf einer anderen Hierarchieebene befindet. Hier sind Gespräche auf Augenhöhe und klare Grenzen wichtig! Aber ist das geklärt, stärkt eine Freundschaft nicht nur das Wohlbefinden am Arbeitsplatz, sondern auch das Unternehmen: Freundschaften am Arbeitsplatz können dazu beitragen, Stress zu reduzieren und die Produktivität und Motivation zu steigern. 

3. Gemeinsam zu Höchstleistungen 

Mit einer guten Freundin im Team kann sich Arbeit manchmal so gar nicht nach Arbeit anfühlen und richtig noch mehr Spaß bringen: Wenn man sich gegenseitig in stressigen Projekt-Endphasen zu Spitzenleistung anspornt oder das Brainstorming beim Kochabend einfach weiterläuft, weil gemeinsam die guten Ideen einfach nur so sprudeln. Es ist außerdem hilfreich, vertraute Kollegen um konstruktives Feedback zu bitten. Bei diesen Rückmeldungen ist sicher, dass sie absolut ehrlich gemeint sind und nur ein Ziel haben: Die andere Person zu stärken und besser zu machen. Ihnen fällt es in Freundschaften schwer, Kritik zu äußern oder anzunehmen? Keine Sorge – auch das will gelernt sein. Online-Kurse können hier helfen, wie zum Beispiel die „Kommunikationstipps” von LinkedIn Learning, mit mehreren Kapiteln rund um das Thema Feedback. 

4. Gut gepflegte Kontakte zahlen sich aus 

Das Schöne an Freundschaften im Job ist, dass sie nicht automatisch enden, nur weil sich die Wege beruflich trennen. Das heißt, auch wenn die Kündigung der Lieblingskollegin im ersten Moment vielleicht einen Schock bedeutet, können sich daraus auch für Sie neue Möglichkeiten ergeben: Man bleibt sich auch privat erhalten und kann weiterhin berufliche Herausforderungen oder Probleme besprechen. Durch den neu gewonnenen Blickwinkel kann die andere Person eine hilfreiche Außenperspektive liefern und Einblicke zur Handhabung bei einem anderen Arbeitgeber geben, das kann goldwert sein! Und auch wenn man selbst auf der Suche nach einer neuen Herausforderung ist, zahlt sich ein gut gepflegtes Netzwerk an Freundschaften zu ehemaligen Kollegen aus: Wer sich fachlich und menschlich kennt (und gut leiden kann), kann sich auch mit bestem Gewissen weiterempfehlen. Und wer weiß, vielleicht eröffnet genau dieses gegenseitige Vertrauen die nächste berufliche Möglichkeit. 

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