Über Eskapismus: Ohne Sumpf kein „krass gut“

Foto: Deagreez/iStock; Frau, Grafik, im Hintergrund Kassettenrekorder
Foto: Deagreez/iStock

Dass sich die guten Vorsätze am Jahresanfang so „krass gut!“ anfühlen, liegt daran, dass wir an den Feiertagen, zwischen den Jahren, an Silvester und in all den Après-Partys rund um diese Tage oft mehr auf den Putz hauen, als es die Hausärztin empfiehlt.

Trotzdem ist es gesund, Druck abzulassen. Es ist zu Silvester wie beim Karneval wie bei der Arbeit wie beim Sport: nach der Anstrengung (das Jahr, der Winter, das Projekt, das Spiel) muss der Jubel kommen. Muss! Vom Eishockey und auch vom Fußball weiß ich: Viele Menschen, oft Männer, kommen ins Stadion vor allem, um laut zu singen und zu grölen. Richtig so.

Soziologen haben dafür das schöne Wort „Ventilsitte“ gefunden. Man hört es förmlich pfeifen. Jeder von euch kennt diese Druck-raus-Sitten auch aus dem Job: Projekt stemmen, dann die große Sause, dann zurück an die Arbeit. Einatmen, ausatmen, weiter machen. Funktioniert!

Was nicht funktioniert: Jeden einzelnen Tag optimieren, denn so geht einem die Puste aus und die Lust am Job flöten. Die große Kunst besteht darin, den eigenen Rhythmus eben nicht nur mit dem Job-Kalender zu synchronisieren, sondern mit dem Rhythmus der Jahreszeiten, mit dem Rhythmus der eigenen Region und der eigenen Biografie, mit unserem Körper und mit den Menschen, die für uns wichtig sind – und zwischendurch Eskapismus einzuplanen. Weil der Druck eben raus muss! Sonst macht er uns kaputt.

Also: Gräm dich nicht, falls du zwischen Weihnachten und Neujahr versumpft bist. Gut so! Hast du nachgedacht und in dich reingefühlt: Wofür schlägt dein Herz? Welche Sehnsucht treibt dich? Wo willst du 2026 hin – als Mensch (nicht nur als Personal Brand)? Und wenn nicht – dann hol das jetzt nach.

Der Januar eignet sich bestens dafür, solange die deutsche Business-Welt gefühlt noch im reduzierten Modus fährt (Köln ausgenommen, hier startet mit der Prinzenproklamation am 9. Januar die fünfte Jahreszeit). Nimm dir deine Momente zum Kräfte regenerieren – oder verlängere sie, wenn du sie schon hattest: Einkuscheln und Ausschlafen, koch was Gutes und setz dich mit deinen Lieblingsmenschen um den Tisch, gönn dir deine Lieblingsserie, ein paar gute Bücher – und lass ChatGPT nochmal aus, dann hörst du deine eigenen Gedanken wieder klarer. Das Wochenende steht vor der Tür: Do it!

Ich sage: Ohne Disziplin geht’s nicht. Aber der harte Wille allein reicht nicht, Herz und Körper schwingen in ihrer eigenen Zeit. Gönn dir deine Zeit, dann kommt die Power, um wirklich „krass gut“ durchzustarten, von selbst.

Ich wünsche euch für 2026 alles Liebe und Gute!

Zur Person: Dr. Marie-Christine Frank ist Expertin für strategische Kommunikation, Community-Building und Sichtbarkeit. Als Gründerin der Agentur für strategische Kommunikation und Beratung Drei Brueder hat sie sich darauf spezialisiert, Persönlichkeiten, Initiativen und Unternehmen sichtbar zu machen – mit einem klaren Fokus auf Diversität und gesellschaftlichen Wandel. Mit den Macherinnen, dem größten Kölner Business-Netzwerk für Frauen, hat sie eine Plattform geschaffen, die Frauen branchenübergreifend vernetzt und stärkt. Für ihr Engagement wurde sie 2023 mit der Urkunde für Bürgerschaftliches Engagement der Stadt Köln geehrt. Als Initiatorin des SPKR CLUB, einer Plattform für außergewöhnliche Speaker:innen, arbeitet sie daran, neue Stimmen und Vielfalt auf Bühnen und in die Debatten zu bringen. In ihrer Kolumne für Courage teilt sie ihre besten Tipps für mehr Sichtbarkeit und Impact – because visibility matters.

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