Was bleibt

Foto: Katerina Sisperova/iStock
Foto: Katerina Sisperova/iStock

Ein neues Jahr hat begonnen; da hält man kurz inne: Was ist mir vom abgelaufenen Jahr in Erinnerung geblieben? Fangen wir mit dem Traurigen an. Einige bedeutende Frauen sind von uns gegangen: Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer, die noch im Alter von 103 in Berlin zum 80. Jahrestag des Kriegsendes sprach, die Zoologin Jane Goodall, die jahrelang mit ihren Gorillas im afrikanischen Urwald zusammenlebte, Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier, die im Karakorum beim Bergsteigen verunglückte, die Schauspielerinnen Claudia Cardinale, Diane Keaton, die Kessler-Zwillinge und kurz nach Weihnachten noch die große Brigitte Bardot. 

Woran erinnere ich mich noch? Der im Februar abgewählte Bundestag beschloss Anfang März zwei gewaltige Sonderschulden-Töpfe für Verteidigung und Infrastruktur, Friedrich Merz wurde – einmalig in der deutschen Geschichte – im Mai erst im zweiten Durchgang zum Bundeskanzler gewählt, die Südtirolerin Evelyn Palla wurde zur neuen Hoffnung an der Spitze der Deutschen Bahn, Papst Franziskus starb, der Amerikaner Robert Prevost trat als Leo XIV. seine Nachfolge an, US-Präsident Donald Trump krempelte gleich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit das Welthandelssystem um, moderierte im Sommer aber auch einen Friedensplan zwischen Israel und der Hamas. Denkwürdig auch sein Zusammenstoss mit Ukraines Präsident Selenski im Weißen Haus und der Empfang von Wladimir Putin in Alaska – nur schweigen die Waffen zwischen Russland und der Ukraine immer noch nicht. Katy Perry ließ sich mit einer Rakete von Amazon-Gründer Jeff Bezos’ Weltraumfirma mit fünf weiteren Promi-Frauen für zehn Minuten in die Erdumlaufbahn schießen und bezeichnete das hinterher als „Akt der Emanzipation“ – selten so gelacht. Amüsiert lachen konnte man auch über das Bubenstück am Louvre, in den über eine Leiter durch ein Fenster im ersten Stock eingestiegen wurde – die Täter sind mittlerweile gefasst, die Artefakte weiterhin verschwunden. Und schließlich wurde – längst überfällig – Epstein-Freund Prinz Andrew von seinem Bruder, König Charles, vom Hof verbannt. 

Schließlich kam mir die „Person of the Year“-Ausgabe des „Time-Magazine“ vom 29. Dezember in die elektronischen Finger. Die „Time“-Redaktion feiert die “Architekten der Künstlichen Intelligenz” und tut das auf seiner Titelseite mit einer Fotomontage in Anlehnung an das 1932 entstandene ikonische Bild „Mittagspause auf einem Wolkenkratzer“. Zwei Frauen haben es auf das Cover geschafft: AMD-Chefin Lisa Su und die Stanford-Wissenschaftlerin Fei-Fei Li. Neben ihnen sitzen bräsig sechs Männer: Sam Altman, Dario Amodei, Demis Hassabis,  Jensen Huang, Elon Musk und Mark Zuckerberg. 

Anders als die beiden Damen haben die Herren 2025 – zumindest auf dem Papier – dick abgesahnt. Sie stampften nicht nur gigantische Rechenzentren aus dem Boden, sondern schoben auch Milliarden hin und her – manchmal nur von einer Tasche in die andere – und hoben dadurch die Börsenbewertung ihrer Unternehmen an. Um insgesamt 550 Milliarden Dollar konnten die zehn reichsten Chefs und Gründer von Techfirmen ihr Nettovermögen in diesem Jahr steigern, hat „Bloomberg“ ausgerechnet: auf fast 2500 Milliarden Dollar. 

An den Finanzmärkten macht derzeit die Sorge über eine KI-Blase die Runde. KI-Modelle in China scheinen zu zeigen, dass es auch ohne die Hochleistungs-Mikroprozessoren des Chip-Entwicklers Nvidia geht. Noch stellen sich nennenswerte Produktivitätsgewinne für die Anwender nicht ein. Und ich habe meine Zweifel, ob Sprachmodelle wie Chat-GPT oder Gemini, die ich gerne nutze, jemals richtig intelligent werden. Über ein Plus von rund 22 Prozent mit meinem DAX-ETF habe ich mich trotzdem sehr gefreut. Mal sehen, was 2026 bringt.

Im Namen des ganzen Courage-Teams wünsche ich Euch ein gutes und gelingendes neues Jahr 

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