Was ich mir für 2026 wünsche

Foto: geballte Faust iStock Adrian Vidal
Foto: Adrian Vidal/iStock

zu Weihnachten brachte meine studierende Tochter etwas mit: einen kleinen Anhänger in Form einer Vulva. Sie hängte ihn an den Weihnachtsbaum, als wäre das das Selbstverständlichste der Welt. Zeit für meine Atemübungen…

Zwischen Engeln, Glaskugeln und Lichterketten wirkte das Ding völlig fehl am Platz. Mein erster Gedanke: Hoffentlich erkennt die Oma nicht, was das ist.

Meine Tochter erklärte mir, dass dieser Anhänger für Selbstbestimmung über den eigenen Körper stehe. Er symbolisiere Mut, Sichtbarkeit und die Freiheit, über den eigenen Körper zu entscheiden. Ja, dafür bin ich selbstverständlich auch. Aber muss das gleich am Weihnachtsbaum hängen?

Dieser kleine Anhänger hat mich nachdenken lassen. Ja, er ist ein echter Störanhänger – an Weihnachten soll die Realität gefälligst draußen bleiben. Doch gerade weil er die vermeintliche Harmonie störte, wurde er sichtbarer. Er erinnerte mich daran, dass Selbstbestimmung und Frauenrechte leider keine Selbstverständlichkeit sind, nur weil wir sie uns einmal erkämpft haben. Warum sollten wir das an Weihnachten ausblenden?

Wir haben Gesetze, die die Gleichberechtigung der Geschlechter sicherstellen, und Ordnungshüter, die die Sicherheit im öffentlichen Raum garantieren sollen – und trotzdem fühlen sich manche Frauen heute nicht mehr sicher. Wir schützen Männer, die keinen Schutz brauchen, und schauen zu, wie Frauen ihre Freiheit verteidigen müssen. Und wenn in Schulen über geschlechtergetrennte Abibälle diskutiert wird, sträuben sich mir die Nackenhaare.

Für 2026 wünsche ich mir, dass wir diese Widersprüche nicht länger akzeptieren. Dass wir sichtbar machen, wofür wir stehen, und Frauen aktiv schützen – egal ob im Klassenzimmer, auf der Straße oder am Weihnachtsbaum. Ein Gedanke, den auch die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bei einer Rede im Europäischen Parlament deutlich machte: Wer unsere Werte und Lebensweise nicht respektiert, hat keinen Platz in Europa.

Ich wünsche mir einen Kanzler und einen Bundespräsidenten, die ebenso mutig Stellung beziehen und die Gleichberechtigung verteidigen – damit unsere Rechte auch in Zukunft Bestand haben.

Danke, Tochter, für den Anhänger, der mein Weihnachten nicht nur besinnlich, sondern auch nachdenklich gemacht hat. Und ich verspreche dir: Der Störanhänger wird auch in den nächsten Jahren sichtbar bleiben.

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