Zölle und Deflation: Druck auf Chinas Wirtschaft wächst

Die Entwicklung der Verbraucherpreise bereitet Chinas Regierung Sorge. (Symbolbild)
Die Entwicklung der Verbraucherpreise bereitet Chinas Regierung Sorge. (Symbolbild) Foto: Johannes Neudecker/dpa
Die Verbraucherpreise in China sinken weiter. Wer einkaufen geht, mag sich darüber freuen – doch die Regierung will das Gegenteil. Denn die Entwicklung birgt Gefahren für die Wirtschaft.

Peking (dpa) – Trotz Maßnahmen zur Steigerung des Konsums sinken Chinas Verbraucherpreise während des laufenden Handelsstreits mit den USA weiter. Der auch als Inflationsrate bezeichnete Verbraucherpreisindex fiel im April verglichen mit dem Vorjahresmonat um 0,1 Punkte, wie das Statistikamt in Peking mitteilte. Damit lag der Indikator etwa gleichauf mit Analystenerwartungen. 

Deflation Zeichen für Chinas Probleme

Deflation, also das Gegenteil von Inflation, drückt schon länger auf die Verbraucherpreise in China. Sie haben sich seit Monaten kaum verändert, während andere Länder mit hohen Teuerungsraten kämpfen. Zwar bekommen chinesische Käufer so mehr für ihr Geld. Ökonomen halten eine solche Entwicklung aber langfristig für schädlich, da Firmen dadurch weniger einnehmen, was Löhne und Arbeitsplätze bedrohen kann.

Die Regierung in Peking peilt dieses Jahr eine Inflationsrate von «rund zwei Prozent» an. Allerdings belasten die schwache Nachfrage infolge der Immobilienkrise in China und die hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen die Wirtschaftsleistung – das drückt wiederum auf die Preise. Zuletzt verkündete Chinas Zentralbank Zinssenkungen, damit Geschäftsbanken mehr Kredite ausgeben können, um so die Konjunktur anzukurbeln. 

Auswirkungen im Zollstreit mit USA

Die Preisentwicklung kann einerseits chinesische Produkte im Ausland günstiger machen. Andererseits könnte der Handelskonflikt mit den USA auch dazu führen, dass Firmen ihre Produkte lieber in China verkaufen, statt sie zu exportieren. Das würde den Preiskampf im Inland verschärfen.

Erstmals seit Beginn des von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Zollstreits wollen am Wochenende ranghohe Vertreter beider Seiten über den Handelskonflikt sprechen. US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vize-Ministerpräsident He Lifeng sollen bei dem Treffen in der Schweiz dabei sein.

Der Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften war im April eskaliert. Trump verhängte 145 Prozent Zusatzzölle auf chinesische Importe, was China mit 125 Prozent zusätzlichen Aufschlägen auf Einfuhren aus den USA konterte.

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