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CO2-Emissionen von Fonds neutralisieren: So geht‘s

Acatis-Fondsmanager Hendrik Leber, ©Acatis
Acatis-Fondsmanager Hendrik Leber, ©Acatis
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Die Emissionsdaten von Fonds geben Aufschluss über den CO2-Fußabdruck eines Portfolios. Soll dieser neutralisiert werden, können Emissionszertifikate erworben und stillgelegt werden. Wie das geht und was das bringt, erklärt Acatis-Fondsmanager Hendrik Leber im Interview.

courage-lounge.de: Herr Leber, Sie haben vor sechs Monaten bekanntgegeben, dass Sie in zwei Fonds die CO2-Emissionen neutralisieren. Hat das geklappt?

Hendrik Leber: Ja.

Und wie funktioniert das genau? 

Unser Partner CAP2 berechnet anhand der Emissionsdaten eines Fonds den CO2-Fußabdruck des Portfolios. Wir kaufen dann – über sogenannte Dekarbonisierungs-Notes – die entsprechende Zahl Emissionszertifikate und legen sie mithilfe der gemeinnützigen Klimaschutz-Stiftung „Climate Concept Foundation“ still. Weil die Gesamtzahl der Zertifikate ja begrenzt ist, wird durch unser Handeln insgesamt tatsächlich weniger CO2 ausgestoßen; denn die von uns stillgelegten Zertifikate können von niemandem mehr in einem Produktionsprozess, zur Energieerzeugung oder im Verkehr eingesetzt werden.

Wenn das in der Praxis so gut funktioniert, warum machen Sie das nicht in mehr Fonds?

Machen wir. Inzwischen praktizieren wir dieses Verfahren bei elf Fonds.

In gewisser Weise achten wir stärker auf den CO2-Fußabdruck unserer Portfoliounternehmen als früher.

Hendrik Leber, Acatis

Und wie beeinflusst es das Anlageverhalten?

In gewisser Weise achten wir stärker auf den CO2-Fußabdruck unserer Portfoliounternehmen als früher. Neutralisieren kostet ja Geld – die Zertifikate werden inzwischen für 90 Euro pro Tonne COgehandelt. Wenn es also ein vergleichbares Unternehmen mit einem kleineren Fußabdruck gibt, bevorzugen wir das. 

Gibt es bereits Nachahmer bei diesem Vorgehen? 

In der Finanzbranche habe ich noch niemanden gesehen, der so vorgeht wie wir. Aber wir bekommen Anfragen von Unternehmen aus ganz anderen Branchen – darunter auch von Marktführern. Wenn die das Verfahren übernehmen, dürfte es dort zum Industriestandard werden, und wir hätten richtig etwas erreicht.

Nun gibt es ja schon eine sogenannte EU-Taxonomie, die für Anbieter von Finanzprodukten seit einem guten Jahr gilt. Ist das nicht doppelt gemoppelt?

Die Taxonomie soll Transparenz schaffen und den Anleger schützen, sie schützt das Klima allenfalls indirekt. Insofern ist unser Weg bislang einmalig.

Hauptziel der EU-Kommission – so sagt sie zumindest – ist aber durchaus, mit der EU-Taxonomie Investitionen von Finanzinvestoren für den beschleunigten Umbau der Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität nutzbar zu machen. Ihr Weg nähert sich von einer anderen Seite. Er setzt die Unternehmen unter Innovationsdruck, weil durch die Stilllegung von Emissionszertifikaten das „Weitermachen wie bisher“ ständig teurer wird. Warum macht die EU das nicht auch so?

Das ist ein heikles Thema. Lassen Sie es mich so sagen: Jeder, der Vertrauen in die Kräfte des Marktes hat, müsste unserem Weg folgen. Aber die Regulierung ist auf diese marktwirtschaftliche Lösung nicht vorbereitet.

Wie reagieren die Kunden?

Einige finden es großartig, andere halten es für eine Verschwendung von Anlegerkapital. Die BaFin beobachtet das Thema.

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