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Lena Kuhlmann: die deutsche Schiedsrichterin für das Guinness-Buch

Foto: Guinness World Records
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Lena Kuhlmann zählt Ballberührungen mit der Ferse oder stoppt die Zeit von Autoscooter-Fahrten. Als Unparteiische richtet die Hamburgerin über Bestleistungen für das Guinness-Buch der Rekorde. Dafür reist sie um die Welt und schaut gewissermaßen Menschen dabei zu, wie sie kuriose Hobbys präsentieren und seltene Bestleistungen erzielen.

Liebe Lena Kuhlmann, wie fühlt es sich an, einen so besonderen Job auszuüben?

Lena Kuhlmann: Wunderbar fühlt sich das an! Ich bin jedes Mal dankbar dafür, diese Rolle der Schiedsrichterin ausüben zu dürfen. Ich darf Menschen an einem so besonderen Tag begleiten und ihre Emotionen hautnah miterleben. Und bei absolut jedem Rekordversuch darf ich so viel Neues über diese
spannende, schöne Welt lernen. Also wenn Sie nach Gefühlen fragen – dann ist das vorherrschende vor allem die Dankbarkeit.

Wie sind Sie dazu gekommen?

Aus meiner persönlichen Sicht würde ich es so sagen: Ich habe mir diesen Job in meinem Leben manifestiert. Damals, das war 2015, war ich an einem Wendepunkt, kam gerade von einem Jahr intensiver Reise zurück nach Deutschland und kreierte mir geistig meinen nächsten perfekten Job.
Ich wollte weiterhin reisen, aber nur kurz und dann wieder nach Hause kommen, ich wollte mit Menschen zu tun haben, meine Kommunikations- und Sprachfähigkeiten einsetzen und weiterhin immer mehr die Welt und ihre Überraschungen entdecken. Als ich dann im Fernsehen einen Schiedsrichter sah, der über diesen Job erzählte, wusste ich: Das ist er! Das ist der Job! Ich griff zum Telefon und rief einfach bei Guinness World Records in London an. Wie sich herausstellte, war gerade intern die
Überlegung angestellt worden, einen neuen deutschsprachigen Schiedsrichter zu finden. So kam eins zum anderen, wir verstanden uns wunderbar – und schon war ich Schiedsrichterin.

Wie viele Rekorde/Rekordversuche haben Sie bereits begleitet?

Ich habe gerade mal in meine Dateien geschaut: Es sind jetzt 125. Doch diese Zahl sagt nicht viel aus. Jeder Rekordversuch ist absolut einzigartig und so intensiv, dass er in Zahlen oder Zeit kaum zu bemessen ist. Auch wenn der Großteil der Versuche einen Tag dauert, ist das Erleben, die Emotionen und das Gelernte aus diesem Tag groß und nicht aufzuwiegen in Zahlen.

Haben Sie auch schon einmal einen Rekordversuch begleitet und in der Folge auch die Neuaufstellung des gleichen Rekords?

Einmal. Das war der Rekord „Die längste Kette aus Vogelhäusern“. Ich begleitete diesen in Moskau und etwa ein Jahr später in Magdeburg wieder. Es war sehr interessant für mich, denselben Versuch zu sehen, natürlich mit denselben Regeln, aber auf ganz andere Weise ausgeführt. Das zeigt auf ein Neues: Jeder Rekordversuch ist einzigartig und besonders. Jeder Rekordanwärter kann aus einem einfachen Titel seine/ihre ganz individuelle Ausführung machen.

Welche Rekorde sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Meistens ist es der letzte Rekordversuch, den ich besucht habe, der mir besonders im Gedächtnis ist. Die Erinnerungen und Erlebnisse sind noch so frisch. In diesem Fall: „Der höchste Stapel aus Donuts in 30 Sekunden“.

Fiebern Sie bei den Rekordversuchen mit? Und wie sieht die Reaktion derjenigen aus, die den Rekordversuch durchgeführt haben?

Fiebern ist nicht ganz das richtige Wort. Ich fühle mit und ich wünsche es immer jedem und jeder von Herzen, dass sie ihr Ziel erreichen. Doch wenn ich den Rekord überprüfe, bin ich in tiefer Konzentration auf die Sache. Dann gibt es nur die zu überprüfenden Punkte und anhand dieser „geschafft“ oder „nicht geschafft“. Doch egal, ob ein Rekord gebrochen wird oder nicht, das Erlebte und auf dem Weg Gelernte ist am Ende oft größer als der Titel selbst. So kann, auch wenn es mal nicht klappt, dennoch freudig und zufrieden auf das Erreichte geschaut werden

Gab es Situationen, in denen Sie es persönlich besonders schade fanden, dass ein Rekordversuch nicht geklappt hat?

Da ich es allen immer wünsche – jedes Mal. Doch bei der Frage fällt mir gleich ein Versuch ein, dessen Misserfolg mich sehr berührt hat. Die größte aus Menschen geformte Krebsschleife. Es war ein Charity Event in Spanien, um Spenden für die Brustkrebsforschung zu sammeln. Organisiert von Angehörigen und Freunden einer Betroffenen. Es war ein tolles Event und viel Liebe und Elan steckte in der Organisation. Doch zum Zeitpunkt der Formation fing es stark an zu regnen und Menschen verließen den Ort. So kam es leider nicht zum Rekordtitel. Das zeigt auch: Nicht alles liegt in Deiner Hand, eine Portion Schicksal gehört auch mit dazu.

Was macht einen Rekordhalter Ihrer Ansicht nach aus?

Man nehme Talente und mische diese mit Durchhaltevermögen, Mut und Ausdauer und fertig ist das großartige Können.

Welche Tipps können Sie Personen mit auf den Weg geben, die auch mal einen Rekord aufstellen möchten?

Bevor Du Deinen Rekordtitel findest, finde das, was Dir Freude macht. Das, worin Du Dich verlieren kannst, in dem Du aufgehst. Wobei Du die Zeit vergisst. Dann übe und finde heraus, worin genau Du einen Rekord aufstellen möchtest. Auf unserer Website oder im Buch kannst Du dann recherchieren nach Rekorden rund um Dein Thema. Du kannst auch einen neuen Rekordtitel erfinden und diesen anmelden.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, einen eigenen Rekord aufzustellen?

Selbst wenn – es gäbe niemanden, der mich neutral beurteilen kann. Das ist der Grund, warum wir Schiedsrichter selber keine Rekordtitel aufstellen können.

Buchtipp: Guinness World Records 2024 von Ravensburger – das meistverkaufte Jahrbuch der Welt, aktualisiert mit Tausenden neuen Rekorden. Seit der Erstausgabe im Jahr 1955 hat sich das Kultjahrbuch in über 100 Ländern und 21 Sprachen mehr als 150 Millionen Mal verkauft. (ISBN: 978-3-473-48066-1)

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